Gaspipeline South Stream: Gazprom will bereits 2012 mit Bau beginnen

Russland will seine Position auf den europäischen Gasmärkten weiter ausbauen. Der staatliche Gasexporteur Gazprom soll auf Wunsch von Ministerpräsident Wladimir Putin bereits Ende 2012 statt erst 2013 mit dem Bau der Gaspipeline South Stream beginnen. Die Ankündigung ist ein Rückschlag für das europäische Konkurrenz-Projekt Nabucco.

Die Türkei hatte Gazprom Ende Dezember grünes Licht für den Bau der Pipeline durch ihre Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer gegeben und dafür Zusagen für langfristige Gaslieferungen erhalten. Putin wies Gazprom-Chef Alexej Miller nun bei einem Treffen an, rasch die Voraussetzungen für den Baubeginn zu schaffen. 2015 soll ein erster Leitungsstrang von South Stream fertiggestellt sein. Die Leitung soll Gas aus dem Süden Russlands durchs Schwarze Meer und Bulgarien nach Mitteleuropa transportieren. An South Stream sind auch die BASF-Tochter Wintershall sowie der französische Energiekonzern EdF und das italienische Unternehmen Eni beteiligt.

Ursprünglich sollte die South Stream-Pipeline im Nordosten Österreichs enden. Medienberichten zufolge will Gazprom die Röhre nun aber nach Norditalien führen, weil Österreich die Konkurrenz-Pipeline Nabucco unterstützt. Mit diesem Projekt will die EU Gasvorkommen am Kaspischen Meer erschließen und so die Abhängigkeit von russischem Erdgas verringern. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass nur eine der beiden Pipelines wirtschaftlich betrieben werden kann. Durch den vorgezogenen Baubeginn sichert sich Russland nun einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Nabucco.

Im vergangenen November hatte Russland den ersten Strang der Nord Stream-Pipeline durch die Ostsee nach Deutschland in Betrieb genommen. Ein zweiter Leitungsstrang soll im laufenden Jahr hinzukommen. Gazprom deckt rund ein Viertel des europäischen Gasbedarfs, in Deutschland ist es sogar rund ein Drittel. Die Marktmacht des Konzerns ist Kritikern ein Dorn im Auge. Gazprom hält in seinen langfristigen Lieferverträgen mit europäischen Gasversorgern an der Ölpreisbindung fest. Dadurch erzielt das Unternehmen hohe Preise, obwohl Gas am Weltmarkt derzeit relativ günstig ist. Hunderte Gasversorger in Deutschland mussten deshalb in den vergangenen Monaten die Tarife anheben. Verbraucher sollten daher Gaspreise vergleichen und zu einem Anbieter von günstigerem Gas wechseln.