Gaspipeline Nabucco steht vor dem Aus
Ein Prestigeprojekt der EU steht vor dem Aus. Die Gaspipeline Nabucco wird laut einem Bericht der Wirtschaftswoche nicht gebaut. Aserbaidschan will stattdessen eine eigene Leitung bauen, wie Regierungsvertreter deutschen Politikern mitgeteilt hätten.
Diese TANAP (Trans Anatolian Pipeline) genannte Leitung soll demnach bis zur türkisch-griechischen Grenze reichen. Sie werde zusammen mit einem türkischen Partner errichtet, heißt es in dem Bericht. Durch ihre Realisierung würde die Daseinsberechtigung für Nabucco entfallen. Offen bleibe lediglich, wie der Weitertransport des Gases ab der türkischen Grenze abgewickelt werde. Das Nabucco-Konsortium wolle sich mit einer abgespeckten Version um diese Aufgabe bewerben, ebenso wie zwei in dem Bericht nicht näher benannte Konkurrenzprojekte.
Eine Entscheidung, wer das Gas übernehmen darf, wolle die Regierung Aserbaidschans Ende März bekanntgeben. Hinter Nabucco steht ein Zusammenschluss der Energieunternehmen OMV (Österreich), MOL (Ungarn), Transgaz (Rumänien), Bulgargaz (Bulgarien), BOTAŞ (Türkei) und RWE (Deutschland). Die türkische BOTAŞ soll laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti allerdings auch an der TANAP-Pipeline beteiligt werden.
Nabucco sollte die großen Gasvorkommen am kaspischen Meer erschließen und den Energieträger durch die Türkei nach Europa transportieren. Auf diese Weise wollte die EU unabhängiger von Russland und dem Staatskonzern Gazprom werden, der momentan rund ein Viertel des europäischen Gasbedarfs deckt. Nach dem russisch-ukrainischen Gasstreit und den damit verbundenen Liefereinschränkungen beschloss die EU, das Projekt zu forcieren. Die Kostenschätzungen mussten jedoch immer wieder angehoben werden, während der geplante Fertigstellungstermin sich nach hinten verschob. Gazprom plant mit South Stream eine Konkurrenz-Pipeline zu Nabucco und will noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen.