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Gas Pipeline am Kaspischen Meer: EU verhandelt über Nabucco Zuleitung

Die EU verhandelt mit Turkmenistan und Aserbaidschan über Erdgaslieferungen und den Bau einer Pipeline durch das Kaspische Meer. Die 27 Mitgliedsstaaten erteilten der EU-Kommission in dieser Woche einen entsprechenden Auftrag. Ein Rahmenvertrag soll bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein. Es wäre ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung der Nabucco-Pipeline von Asien nach Europa.

Im Januar hatten EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und Energiekommissar Günther Oettinger beide Länder besucht uns Willenserklärungen über künftige Gaslieferungen unterzeichnet. Nun gehen die Gespräche auf die Zielgerade. Es wäre das erste Mal, dass die EU für all ihre Mitglieder ein derartiges Abkommen aushandelt. In der Region gibt es riesige, bisher unerschlossene Erdgasvorkommen. Das Gas soll künftig durch die Trans-Kaspische Pipeline nach Aserbaidschan strömen, wo eine Verbindung zu den geplanten Pipeline-Projekten nach Europa hergestellt werden soll.

Der Energiekonzern RWE, eines der an Nabucco beteiligten Unternehmen, zeigte sich zuversichtlich. “Wenn die Gespräche erfolgreich sind, wird es genug Gas geben, auch ohne nordirakische Mengen”, sagte der Strategievorstand Leonhard Birnbaum laut Dow Jones Deutschland. Nabucco soll ab 2013 gebaut werden und 2017 in Betrieb gehen. Mit der Leitung, die durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich führen soll, will Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen werden. Der Staatskonzern Gazprom deckt derzeit rund ein Viertel des europäischen Gasbedarfs.

Neben Nabucco sind mehrere weitere Pipeline-Projekte in der Planung, die Gas aus den Ländern um das Kaspischen Meer nach Europa bringen sollen, unter anderem der ITGI (Interconnector Turkey- Greece-Italy) und die TAP (Trans-Adriatic Pipeline). Es ist allerdings umstritten, welche der Röhren realisiert werden sollen und wirtschaftlich betrieben werden können. Zudem baut auch Russland seine Lieferkapazitäten aus: Der erste Strang der Nord Stream-Pipeline durch die Ostsee nach Deutschland wird gerade in Betrieb genommen, ein zweiter ist im Bau. Eine Pipeline durch das Schwarze Meer nach Italien und Österreich ist in Planung.

Erdgas Förderung in Deutschland: Streit um Fracking gewinnt an Schärfe

Die Erdgas Förderung von sogenannten unkonventionellen Vorkommen durch Fracking sorgt zunehmend für Streit. Die Methode ist wegen des Einsatzes von giftigen Chemikalien umstritten. Bundesumweltminister Norbert Röttgen will nun eine Studie über die Umweltauswirkungen in Auftrag geben. Gleichzeitig startete im niedersächsischen Sulingen eine neue Fracking-Testförderung.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will über den Bundesrat eine Änderung des Bergrechtes durchsetzen. Sie will erreichen, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung für Fracking-Bohrvorhaben vorgeschrieben wird. Die Parteien im Düsseldorfer Landtag sind sich zwar grundsätzlich einig, konnten sich aber nicht auf eine gemeinsamen Antrag einigen. Nun schwenkt aber auch Norbert Röttgen, Bundesumweltminister und Chef der NRW-CDU, auf einen kritischen Kurs gegenüber der Methode ein.

Mit einer wissenschaftlichen Studie will der Minister die Risiken und Umweltauswirkungen der Methode klären lassen. Vor einer wirtschaftlichen Nutzung müsse Transparenz erreicht werden, sagte Röttgen den “Westfälischen Nachrichten”. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse werde es dann klare Anforderungen für die Erdgasförderung geben, so Röttgen weiter. In Nordrhein-Westfalen haben sich mehrere Unternehmen Rechte für Erkundungsbohrungen gesichert. Im benachbarten Niedersachsen wurde in der vergangenen Woche von ExxonMobile bei Sulingen im Kreis Diepholz eine neue Probebohrung mittels Fracking gestartet.

Beim Fracking wird ein Gemisch von Wasser, Sand und verschiedenen Chemikalien unter hohem Druck in den Boden geleitet. Dadurch werden Gesteinsschichten, in deren Poren Erdgas gebunden ist, aufgebrochen – das Gas kann gefördert werden. Kritiker warnen allerdings vor Verunreinigungen des Grundwassers. Unter anderem in den USA wird die Methode bereits seit Jahren in großem Stil eingesetzt. Sie ist verantwortlich für die Ausweitung der weltweiten Erdgasförderung. Die Gaspreise auf den Weltmärkten sind wegen der Erschließung immer neuer Gasvorkommen durch Fracking derzeit relativ niedrig.

Höhere Gaspreise: Regierung will CO2-Zertifikate fürs Heizen einführen

Die Bundesregierung will Heizenergie teurer machen: Ab 2015 sollen laut einem Zeitungsbericht CO2-Zertifikate fürs Heizen eingeführt werden. Die Verbraucher sollen auf diese Weise zum Energiesparen angeregt werden. Die Gaspreise dürften dadurch erneut Auftrieb erhalten.

Verbraucher müssen sich in den kommenden Jahren auf einen weiteren Preisschub beim Heizen einstellen. Die Bundesregierung will nach einem Bericht der Financial Times Deutschland den Handel mit CO2-Zertifikaten auf Heizenergie ausdehnen. Die Händler, zum Beispiel die Gasanbieter, sollen dem Bericht zufolge die Emissionsrechte für die Energiemengen erwerben müssen, die sie an ihre Kunden absetzen. Die Kosten für die CO2-Zertifikate dürften sie dabei an die Verbraucher weitergeben. Nach der parlamentarischen Sommerpause sollen Vertreter der Bundesministerien für Bau, Finanzen, Umwelt und Wirtschaft Details der Regelung ausarbeiten.

Mit den CO2-Zertifikaten fürs Heizen sollen die Verbraucher zum Energiesparen angeregt und Anreize zur energetischen Modernisierung von Gebäuden und Wohnungen gesetzt werden. Dies soll auch durch höhere Fördergelder und eine bessere steuerliche Absetzbarkeit von Ausgaben für Sanierungsmaßnahmen unterstützt werden. Die Klimaziele der Bundesregierung sehen vor, den Energiebedarf für Gebäudeheizungen und Warmwasserbereitung bis 2050 um 80 Prozent zu senken. Dieser Bereich macht rund ein Drittel des gesamten Primärenergieverbrauchs in Deutschland aus.

Auch wenn die CO2-Zertifikate erst in Planung sind, ziehen die Gaspreise derzeit auf breiter Front an. Nachdem bereits in den zurückliegenden Monaten etliche Gasversorger ihre Tarife angehoben hatten, stehen im Juli und August nach aktuellem Stand bei 75 weiteren Grundversorgern Preiserhöhungen an. Im Herbst werden weitere Energieversorger nachziehen, erwarten Experten. Grund ist die Ölpreisbindung in den Lieferverträgen der Gasanbieter, die sie mit ihren Vorlieferanten abgeschlossen haben. Dadurch kommen die zu Jahresbeginn gestiegenen Ölpreise jetzt mit zeitlicher Verzögerung auch bei den Gaskunden an. Ein Gasanbieter Vergleich und der Wechsel in einen günstigen Tarif mit Preisgarantie können sich deshalb lohnen.