Gastarif Archive
Das Bundeskartellamt erhebt schwere Vorwürfe gegen zahlreiche deutsche Stadtwerke: Mehr als 20 Prozent der Unternehmen in kommunaler Trägerschaft sollen von Konkurrenten, die ihr Gasnetz nutzen, überhöhte Konzessionsabgaben kassiert haben. Dadurch sei nachweislich ein wettbewerbsschädigender Effekt entstanden.
Das Kartellamt hatte im Rahmen eines Musterprozesses gegen den norddeutschen Versorger GAG Ahrensburg eine Auswertung durchgeführt, an der alle rund 700 Gas-Verteilnetzbetreiber teilnehmen mussten. Fast jedes fünfte Stadtwerk verlangte demnach von anderen Anbietern, die Gas durch das Stadtwerke-Netz zu den Kunden leiteten, den höheren Konzessionsabgabensatz für Tarifkunden.
Die Alternativanbieter sind aber meist keine Grundversorger und können somit ihre Abnehmer nur als Sondervertragskunden beliefern – wofür eigentlich ein deutlich niedrigerer Satz vorgesehen ist. Dadurch erhöhten sich die Kosten für diese Konkurrenten – und im Endeffekt die Gaspreise, die sie anbieten konnten. Dieses Verhalten der Stadtwerke sei als missbräuchlich und kartellrechtswidrig einzustufen, heißt es in einer Mitteilung des Kartellamts.
Energieversorger müssen Konzessionsabgaben an die jeweilige Kommune bezahlen, die für das Recht, öffentliche Wege und Plätze für die Verlegung von Gas- und Stromleitungen zu nutzen, fällig werden. Diese Kosten werden an Gasanbieter, die das Gasnetz nutzen, weitergegeben. Bei Gas-Sondervertragskunden liegt der Satz derzeit bei 0,03 Cent pro Kilowattstunde, bei Tarifkunden werden dagegen – je nach Einwohnerzahl der Kommune – zwischen 0,22 und 0,4 Cent fällig.
Gaskunden können sich künftig noch schneller einen günstigeren Tarif sichern: Ab April gilt eine zeitliche Grenze für die Wechseldauer. Die Umstellung der Versorgung darf demnach maximal drei Wochen in Anspruch nehmen.
Bisher war die Dauer des Anbieterwechsels vom Gesetzgeber nicht geregelt. Das wurde mit der Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes im vergangenen Sommer geändert. Nach einer Übergangszeit treten die neuen Bestimmungen jetzt in Kraft. Verbraucherschützer bewerten die Neuregelung grundsätzlich als positiv – allerdings mit einer Einschränkung.
Denn die Drei-Wochen-Frist beginnt nicht mit dem Absenden des Wechselantrags durch den Kunden, sondern später: Die Uhr beginnt erst zu laufen, wenn der neue Versorger den Antrag bearbeitet hat und den Wechsel beim Netzbetreiber anmeldet. Aus Kundensicht dauert die Umstellung deshalb auch weiter länger als drei Wochen – wird aber in den meisten Fällen dennoch deutlich schneller als die sechs bis zwölf Wochen ablaufen, die Verbraucher bisher einkalkulieren mussten, bis das Gas vom günstigeren Gasanbieter kommt.
Zudem bremsen bislang noch die Kündigungsfristen in nahezu allen Gasverträgen einen raschen Anbieterwechsel. Sie können meist nur mit einer Frist von mehreren Wochen zum Monatsende gekündigt werden. Das soll sich jedoch bald ändern: Die Bundesregierung will die Kündigungsfrist für Strom- und Gaskunden in der Grundversorgung auf zwei Wochen verkürzen, zudem sollen die Verträge auch während eines laufenden Monats beendet werden können.
Die Versorger Mainova und EnBW haben in einem bundesweiten Gasanbieter-Test am besten abgeschnitten. Das Vergleichsportal CHECK24 nahm in der Studie die Grundversorger sowie die fünf günstigsten Alternativanbieter in den zehn größten deutschen Städten unter die Lupe. Bewertet wurden die Vertragsbedingungen und der Kundenservice, aber auch die Gaspreise. Untersucht wurden die Angebote der Gasanbieter für drei Haushaltsgrößen (Single, Paar und Familie).
Unterm Strich lag die Mainova mit ihrem Tarif Erdgas Direkt vorn. Der Frankfurter Versorger erzielte mit einem “guten” Kundenservice und “sehr guten” Vertragsbedingungen die Top-Platzierung im Test. Knapp dahinter landete die EnBW als zweite auf dem Siegerpodest. Der baden-württembergische Gasanbieter zeigte den besten Service des Testfeldes und erhielt als einziges Unternehmen in dieser Kategorie ein “sehr gut”. Auch der Dritte im Test – die Stadtwerke Düsseldorf – kommt aus dem Lager der etablierten Versorger.
Die unabhängigen Discount-Anbieter verpassten wegen Einschränkungen bei Service und Vertragsbedingungen Platzierungen an der Spitze. Im Hinblick auf die Gaspreise lagen sie aber an der Spitze und unterboten die Grundversorger teils deutlich. In allen untersuchten Städten kam das günstigste Angebot von FlexGas, auch Ökoflex, HitGas und Priogas lagen preislich meist vorn. Verbraucher müssen bei ihnen allerdings teilweise jährliche Vorauszahlungen leisten, auch die Tarifkonditionen sind oft weniger flexibel. So wurden häufig Pakettarife und Angebote mit Mehr-Minderverbrauchsaufschlag angeboten.
Verbraucher sollten daher prüfen, welche Angebote für sie in Frage kommen und welche Aspekte ihnen bei der Tarifwahl besonders wichtig sind. Bei einem Gasvergleich können individuelle Kriterien bei der Suche berücksichtigt werden, indem entsprechende Optionen im Tarifrechner gewählt werden. Zudem bieten die AGB-Bewertung durch Tarifexperten und die Kundenbewertungen durch andere Nutzer ein realistisches Bild von den Leistungen der einzelnen Versorger, so dass Verbraucher schnell und unkompliziert den idealen Gastarif finden und von den Einsparungen profitieren können.
Millionen Gaskunden müssen sich derzeit auf eine deftige Gaspreiserhöhung einstellen. Doch der Dreh an der Preisschraube pünktlich zu Beginn der Heizperiode ist meist unbegründet, beklagen Verbraucherschützer. In vielen Fällen steigen die Gaspreise demnach wesentlich stärker, als sich durch die höheren Beschaffungskosten für die Gasanbieter erklären lasse.
Der Energieexperte Gunnar Harms hat für den Bund der Energieverbraucher, in dem er selbst Vorstandsmitglied ist, nachgerechnet. Demnach stieg der Gaspreis am Terminmarkt – also für Gas, das jetzt gekauft wird und zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft geliefert wird – zwischen dem zweiten und vierten Quartal 2011 nur um rund 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Anders sieht es dagegen bei Gas aus, das über langfristige Lieferverträge mit Ölpreisbindung beschafft wird, wie sie zum Beispiel E.ON Ruhrgas mit Gazprom abgeschlossen hat: Dafür mussten Versorger im Einkauf 0,8 Cent mehr bezahlen.
Durch diese Entwicklung der Beschaffungskosten lassen sich laut Harms nur Preiserhöhungen maximal im einstelligen Prozentbereich erklären. Vorausgesetzt, der Gasanbieter verfolgt eine kluge Beschaffungsstrategie und beschafft nicht seinen gesamten Gasbedarf über ölgebundene Lieferverträge. Der Preisanstieg fällt aber in der Realität wesentlich gravierender aus: Im September und Oktober werden allein 280 Grundversorgungstarife teurer – um durchschnittlich elf Prozent. Im Einzelfall müssen sogar bis zu 25 Prozent mehr bezahlt werden. Für eine Familie mit einem Gasverbrauch von jährlich 20.000 Kilowattstunden bedeutet das jährliche Mehrkosten von bis zu 400 Euro.
Da liegt ein Schluss nahe: “Viele Gasversorger sahnen nur einfach ab oder haben teures heizölgebundenes Gas geordert”, so Aribert Peters, Vereinsvorsitzender beim Bund der Energieverbraucher. Sein Rat für Betroffene: der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. Durch einen Gaspreis Vergleich können Verbraucher oft beträchtliche Summen einsparen. Denn an den Weltmärkten ist Gas nach wie vor im Übermaß und günstig zu haben – Versorger, die geschickt einkaufen, können daher ihre Gaspreise stabil halten oder sogar senken.
Insgesamt 199 Gasanbieter haben für August und September 2011 eine Gaspreiserhöhung angekündigt. Für die Verbraucher bedeutet das durchschnittliche Mehrkosten von elf Prozent – gerechnet auf einen Vier-Personen-Haushalt werden demnach im Schnitt 143 Euro mehr für Gas fällig. In der Spitze liegt die Gaspreiserhöhung sogar bei 25 Prozent.
Betroffen von dieser Erhöhung in der Spitze sind die Kunden der Gasversorgung Wismar Land, sie müssen in Zukunft jährlich 404 Euro mehr für ihr Gas zahlen. Doch nicht nur kleinere Gasanbieter kündigten Preiserhöhungen an: Auch etablierte Konzerne wie E.ON Avacon, EWE und Mainova bitten ihre Kunden zukünftig stärker zu Kasse. Deutschlandweit werden rund 6,3 Millionen Haushalte von der angekündigten Gaspreiserhöhung betroffen sein.
Im Jahr 2011 erhöhten einschließlich August bereits 138 Gasversorger ihre Preise um etwa zehn Prozent (132 Euro). Rechnet man die 229 Gasanbieter, die eine Preiserhöhung bis spätestens Oktober angekündigt haben, mit ein, liegt die Gesamtzahl der Unternehmen, die eine Gaspreiserhöhung vornahmen schon über dem Gesamtwert von 2010. Im Vorjahr hatten insgesamt 261 Anbieter die Gaspreise um durchschnittlich neun Prozent (115 Euro) angehoben. Aufgrund des gestiegenen Ölpreises müssen Kunden in den kommenden Monaten mit weiteren Gaspreiserhöhungen rechnen.
Zwar sind die Endverbraucher offiziell nicht an die Entwicklung des Ölpreises gebunden, doch in der Regel passt sich die Entwicklung des Gaspreises mit einer halbjährlichen Verzögerung an den Ölpreis an. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Gasanbieter existieren nach wie vor große Preisunterschiede am Energiemarkt – ein Gaspreisvergleich kann sich für Verbraucher daher bezahlt machen. Vor allem Gasversorger die aufgrund langfristig angelegter Lieferverträge an den Ölpreis gebunden sind erhöhen aktuell die Preise. Vorrangig neue Gasanbieter können hingegen aus dem derzeitigen Überangebot Kapital schlagen und somit ihr Gas deutlich günstiger an den Endkunden weitergeben.
Angesichts der anstehenden Gaspreiserhöhungen bei zahlreichen Versorgern im August und September lohnt sich ein Gasanbieter Wechsel für viele Haushalte. Wie eine aktuelle Umfrage belegt, klappt das in der Mehrheit der Fälle problemlos: Knapp drei Viertel aller Gaskunden sind mit ihrem Gasanbieter Wechsel zufrieden, wie eine Auswertung von insgesamt 118.000 Kundenbewertungen aus den vergangenen dreieinhalb Jahren durch ein Vergleichsportal ergab.
74 Prozent der Gaskunden haben demnach einen positiven Gesamteindruck von ihrem neuen Versorger. Auch mit der Freundlichkeit der Mitarbeiter waren mit 62 Prozent fast zwei Drittel der Gaskunden zufrieden. Unzufrieden zeigten sich dagegen nur vier Prozent – allerdings machte fast ein Drittel hier keine Angaben, weil es wegen der Nutzung von Online-Tarifen keinen direkten Kontakt zu Mitarbeitern gab. Häufigster Kritikpunkt war die Geschwindigkeit des Wechsels, die von 13 Prozent der Gasverbraucher bemängelt wurde. Dennoch zeigten sich mit 69 Prozent immer noch mehr als zwei Drittel zufrieden.
Zudem ist Besserung in Sicht: Das neue Energiewirtschaftsgesetz schreibt Netzbetreibern und Gasanbietern eine deutlich schnellere Bearbeitung des Gasanbieterwechsels vor. Er soll in Zukunft nur noch drei Wochen dauern. Entsprechende Richtlinien zur Umsetzung des Gesetzes werden derzeit von der Bundesnetzagentur ausgearbeitet. Eine gute Nachricht für Verbraucher – schließlich bedeutet jeder Tag weniger im alten, teuren Gastarif bares Geld. Im Durchschnitt der 50 größten deutschen Städte spart ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh rund 510 Euro jährlich durch einen Gasanbieterwechsel.
Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Strom: 70 Prozent der Kunden zeigten sich zufrieden mit ihrem neuen Stromanbieter, 56 Prozent mit der Freundlichkeit der Mitarbeiter. Häufigster Kritikpunkt auch beim Stromanbieter Wechsel: die Geschwindigkeit der Umstellung. Durchschnittliche Ersparnis bei einem Stromverbrauch von 5.000 kWh: 311 Euro pro Jahr. Die am besten bewerteten Energieanbieter waren Lichtblick, NaturEnergiePlus und goldgas. Die schlechtesten Bewertungen erhielten Clevergy, SAUBER ENERGIE und Stromio.
Rund 2,5 Millionen Gaskunden müssen ab August und September mehr für Gas bezahlen: Ihre Gasanbieter planen in den kommenden beiden Monaten eine Gaspreiserhöhung. Im Durchschnitt steigen die Gaspreise um elf Prozent, das ergab eine Auswertung der Grundversorgungstarife durch CHECK24. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh muss damit jährlich 144 Euro mehr für Gas bezahlen. Teilweise fällt die Erhöhung aber auch deutlich massiver aus.
Zum Beispiel bei der Energieversorgung Oberes Wiesenthal in Baden-Württemberg: Deren Kunden müssen ab August um 29 Prozent mehr für Gas bezahlen. Die Kasse des Musterhaushaltes belastet das mit 380 Euro jährlich. Noch stärker langt die Gasversorgung Wismar Land Vertrieb GmbH hin. Die Erhöhung liegt zwar nur bei 25 Prozent. Weil die Gaspreise dieses Unternehmen aber zuvor bereits relativ hoch waren, steigt die jährliche Gasrechnung ihrer Kunden für 20.000 kWh ab September sogar um 404 Euro.
Auch einige große Gasversorger drehen an der Preisschraube: So steigen die Gaspreise bei E.ON Avacon um neun Prozent oder 144 Euro pro Jahr. Kunden des Oldenburger Versorgers EWE müssen ein Plus von 13 Prozent oder 168 Euro einkalkulieren. 42 weitere Grundversorger hatten bereits zum 1. Juli eine Gaspreiserhöhung durchgeführt. Energieexperten erwarten, dass weitere Versorger in den kommenden Monaten nachziehen werden. Als Grund wird zum einen die langfristig steigende Nachfrage genannt, weil Gaskraftwerke eine zunehmende Rolle in der Stromversorgung spielen, aber auch die Entwicklung der Ölpreise.
Denn viele Versorger beziehen ihr Gas über langfristige Verträge, die sich – mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung – an den Ölnotierungen orientieren. Und die waren zu Jahresbeginn kräftig gestiegen. Gasanbieter, die sich im Börsenhandel kurzfristig eindecken, können dagegen derzeit relativ günstig einkaufen. Durch moderne Fördermethoden können Gasvorkommen gefördert werden, die bisher nicht erschließbar waren. Für Verbraucher bedeutet das, dass sie durch einen Gaspreisvergleich derzeit besonders hohe Einsparungen erzielen können.
Lange Gesichter in den Vorstandsetagen vieler Energieriesen: Das Gas-Überangebot an den Energiebörsen in Kombination mit ihren langfristigen Lieferverträgen und der Ölpreisbindung hat für kräftige Einbußen gesorgt. Mit Verbundnetz Gas, E.ON und RWE musste in dieser Woche drei Gasriesen sinkende Gewinne vermelden. Die Verbraucher können dagegen von dieser Entwicklung profitieren.
Durch neue Fördermethoden können zahlreiche neue Gasvorkommen gefördert werden. Das führt zu einem Überangebot an den Weltmärkten und zu niedrigen Gaspreisen an den Energiebörsen. Die großen deutschen Gasgesellschaften geraten dadurch immer mehr unter Druck: Sie haben sich durch langfristige Verträge, die sich an den hohen Ölpreisen orientieren, an ihre Gaslieferanten gebunden und müssen deshalb teuer Gas einkaufen – während die Konkurrenz sich am Spotmarkt zu günstigen Preisen eindecken kann. Die Folge: Die Gewinne der Gassparten schrumpfen rapide.
Das macht sich auch in den Bilanzen bemerkbar: E.ON musste einen bereinigten Konzernüberschuss vermelden, der mit 1,3 Milliarden Euro um ein Drittel unter dem Wert von 2010 lag. RWE kam mit einem Rückgang um 7,5 Prozent auf 1,6 Milliarden etwas glimpflicher davon. Auch Verbundnetz Gas aus Leipzig hat mit dem hohen Margendruck zu kämpfen: Deutschlands drittgrößter Gasimporteur musste am Mittwoch in seiner Jahresbilanz 2010 einen Gewinneinbruch um fast zwei Drittel auf 59 Millionen Euro vermelden.
Was den Gasriesen und den von ihnen belieferten Gasversorgern Probleme macht, ist für Verbraucher vor allem eine Chance. Denn Gasanbieter, die am günstigen Spotmarkt einkaufen, können dadurch deutlich billigere Preise anbieten als die Konkurrenz, die ihre Tarife teilweise erhöhen muss. Durch einen Preisvergleich mit Internet-Rechnern und den Wechsel zu einem billigeren Anbieter lassen sich oft mehrere hundert Euro jährlich einsparen.
Der angeschlagene Gasanbieter Teldafax bekommt von immer mehr Netzbetreibern die Kündigung. Grund sind unbezahlte Rechnungen für die Netznutzung. Teldafax kann seine Kunden in den betroffenen Gebieten damit nicht mehr beliefern. Sie erhalten ihr Gas nun vom teureren Grundversorger. Verbraucherschützer raten deshalb, bald einen neuen Gastarif zu wählen.
Bochum, Essen, Cottbus, Stuttgart, Berlin – in vielen Städten darf der Troisdorfer Gasanbieter Teldafax die Gasleitungen nicht mehr benutzen. Immer mehr Netzbetreiber sprechen dem Unternehmen die Kündigung aus, weil Rechnungen für die Netznutzung nicht bezahlt wurden. Damit kann Teldafax seine Kunden in den jeweiligen Gebieten nicht mehr mit Gas beliefern. Die Betroffenen werden vom Netzbetreiber und dem Grundversorger per Post über die Umstellung der Versorgung informiert.
Die Gaslieferungen werden zwar nicht unterbrochen. Der örtliche Grundversorger muss ohne Verzögerung einspringen. Doch er verlangt meist wesentlich höhere Preise. Zudem müssen die betroffenen Kunden versuchen, geleistete Vorauszahlungen von Teldafax zurück zu bekommen. Hinweise und Musterschreiben halten unter anderem die Verbraucherzentralen auf ihren Internetseiten bereit. Sie empfehlen auch, vorsichtshalber den Gasvertrag mit Teldafax noch einmal selbst zu kündigen, auch wenn das Unternehmen nicht mehr liefern kann. Am letzten Liefertag von Teldafax sollte zudem der Stand des Gaszählers dokumentiert werden.
Verbraucherschützer raten, bald einen anderen Gastarif zu wählen. Auch der Grundversorger hat meist günstigere Angebote parat. Ein Gasvergleich im Internet klärt, zu welchen Preise alternative Anbieter Gas liefern können. Teldafax ist nach monatelangen Gerüchten um eine drohende Insolvenz inzwischen in der Hand der Investmentgesellschaften Prime Mark Financial Group und Sigma Citation Capital Strategies Limited. Die Leitung des Unternehmens hat der Sanierungsexperte Hans-Gerd Höptner übernommen, der unter anderem den Bekleidungshersteller Schiesser erfolgreich durch das Insolvenzverfahren führte.
Die Preisentwicklung der Gasanbieter geht den geplanten Energiepreisveränderungen für Oktober und November 2010 zufolge in zwei verschiedene Richtungen. Einerseits planen 61 Versorger ihre Gastarife um bis zu 19 Prozent anzuheben, auf der anderen Seite wollen 54 Gasanbieter mit einem Preisnachlass von bis zu 18 Prozent bei ihren Kunden punkten. Diese Zahlen veröffentlichte das Vergleichsportal CHECK24 im Rahmen einer deutschlandweiten Studie zu den anstehenden Energiepreisveränderungen.
Diese differenzierte Entwicklung der Gaspreise ist auf die verschiedenen Strategien der einzelnen Gasanbieter bei der Beschaffung von Gas zurückzuführen. Energieversorger, die etwa von einem Großhandel günstiges Gas beziehen, können den niedrigen Einkaufpreis durch einen ebenfalls sinkenden Verkaufspreis direkt auf ihre Kunden umlegen. Die Preissenkungen der 54 Gasanbieter liegen im Schnitt bei etwa sechs Prozent, die Preissteigerungen der 61 Versorger bei durchschnittlich neun Prozent.
Auch im Strombereich ändern sich die Energiepreise. Hier haben sechs Stromanbieter angekündigt, ihre Preise um im Schnitt sechs Prozent anzuheben. Besonders Verbraucher in Bamberg müssen sich auf stark steigende Strompreise einstellen, die Kosten für den Grundversorgungstarif erhöhen sich hier um nahezu zehn Prozent. Bei einem Jahresverbrauch von 5000 kWh fallen dadurch Zusatzkosten in Höhe von bis zu 105 Euro an.
Um den Wettbewerb am Energiemarkt weiter zu fördern, sollten Verbraucher auf Preissteigerungen reagieren und den Gasanbieter wechseln. So können Energiekosten von bis zu 500 Euro pro Jahr eingespart werden.