Mehrere europäische Gasversorger können sich über eine Gaspreis Senkung von Gazprom freuen. Der russische Exporteur reagiert damit auf anhaltende Kritik über zu hohe Tarife. Die beiden größten deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON kommen allerdings nicht in den Genuss von günstigeren Gaspreisen.
Branchenkenner spekulieren, dass die beiden Unternehmen damit für ihren Gang vor ein Schiedsgericht im vergangenen Jahr abgestraft werden sollen. Auf diese Weise wollten sie niedrigere Preise erreichen, nachdem Verhandlungen mit Gazprom ergebnislos geblieben waren. Auch der polnische Versorger PGNiG, der ebenfalls ein Schiedsverfahren gegen Gazprom anstrengte, ging leer aus. Günstigere Preise wurden dagegen GDF Suez (Frankreich), SPP (Slowakei), Sinergie Italiane (Italien) und Econgas (Österreich) gewährt. In Deutschland kommt der Gashändler Wingas, der je zur Hälfte dem BASF-Konzern und Gazprom gehört, in den Genuss sinkender Tarife.
Um wie viel die Tarife sinken, wurde nicht bekannt. Konzern-Vize Alexander Medwedew teilte laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti jedoch mit, es handele es sich um eine marktgerechte Anpassung der Preise. Viele europäischen Gasgroßhändler haben mit Gazprom langjährige Lieferverträge geschlossen, in denen sich die Gaspreise an den Ölnotierungen orientieren. Dadurch sind die Preise in diesen Kontrakten derzeit auf einem sehr hohen Niveau, während Gas an den Energiebörsen wesentlich billiger zu haben ist. Das brachte zahlreiche Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und führte für Millionen europäische Endkunden zu Gaspreiserhöhungen. Gazprom konnte dagegen im vergangenen Jahr Rekordgewinne einfahren.
Der russische Staatskonzern deckt mehr als 30 Prozent des deutschen Gasbedarfs und drängt zunehmend auch in den europäischen Gashandel und ins Endkundengeschäft. Zuletzt übernahm Gazprom den deutschen Stromanbieter envacom und erhöhte seine Beteiligung beim Gasimporteur VNG. Neue Konkurrenz entsteht aber gleichzeitig durch neue Gasfördertechniken, mit denen sogenannte unkonventionelle Gasvorkommen ausgebeutet werden können. Die Gaspreise an den Energiebörsen sind dadurch derzeit niedrig, was sich in den günstigen Tarifen einzelner Gasanbieter widerspiegelt. Welche Angebote im Einzelfall zur Verfügung stehen und welche Ersparnis möglich ist, klärt schnell und kostenlos ein Gaspreisvergleich.
Millionen Gaskunden müssen sich derzeit auf eine deftige Gaspreiserhöhung einstellen. Doch der Dreh an der Preisschraube pünktlich zu Beginn der Heizperiode ist meist unbegründet, beklagen Verbraucherschützer. In vielen Fällen steigen die Gaspreise demnach wesentlich stärker, als sich durch die höheren Beschaffungskosten für die Gasanbieter erklären lasse.
Der Energieexperte Gunnar Harms hat für den Bund der Energieverbraucher, in dem er selbst Vorstandsmitglied ist, nachgerechnet. Demnach stieg der Gaspreis am Terminmarkt – also für Gas, das jetzt gekauft wird und zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft geliefert wird – zwischen dem zweiten und vierten Quartal 2011 nur um rund 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Anders sieht es dagegen bei Gas aus, das über langfristige Lieferverträge mit Ölpreisbindung beschafft wird, wie sie zum Beispiel E.ON Ruhrgas mit Gazprom abgeschlossen hat: Dafür mussten Versorger im Einkauf 0,8 Cent mehr bezahlen.
Durch diese Entwicklung der Beschaffungskosten lassen sich laut Harms nur Preiserhöhungen maximal im einstelligen Prozentbereich erklären. Vorausgesetzt, der Gasanbieter verfolgt eine kluge Beschaffungsstrategie und beschafft nicht seinen gesamten Gasbedarf über ölgebundene Lieferverträge. Der Preisanstieg fällt aber in der Realität wesentlich gravierender aus: Im September und Oktober werden allein 280 Grundversorgungstarife teurer – um durchschnittlich elf Prozent. Im Einzelfall müssen sogar bis zu 25 Prozent mehr bezahlt werden. Für eine Familie mit einem Gasverbrauch von jährlich 20.000 Kilowattstunden bedeutet das jährliche Mehrkosten von bis zu 400 Euro.
Da liegt ein Schluss nahe: “Viele Gasversorger sahnen nur einfach ab oder haben teures heizölgebundenes Gas geordert”, so Aribert Peters, Vereinsvorsitzender beim Bund der Energieverbraucher. Sein Rat für Betroffene: der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. Durch einen Gaspreis Vergleich können Verbraucher oft beträchtliche Summen einsparen. Denn an den Weltmärkten ist Gas nach wie vor im Übermaß und günstig zu haben – Versorger, die geschickt einkaufen, können daher ihre Gaspreise stabil halten oder sogar senken.
Die Gaspreise steigen im Sommer: Mit der EnBW kündigte ein großer Gasanbieter eine Preiserhöhung um knapp zehn Prozent zum 1. August an. Bislang gaben zudem weitere 37 Grundversorger eine Tariferhöhung im Juli oder August bekannt. Um durchschnittlich gut zehn Prozent müssen die Kunden mehr bezahlen.
Die EnBW verlangt im Grundversorgungstarif ErdgasPlus um 0,64 Cent mehr pro Kilowattstunde. das bedeutet für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 20.000 kWh, dass die Gasrechnung um 128 Euro pro Jahr steigt. Am stärksten erhöhen die Stadtwerke Verden ihren Gaspreis: Bei ihnen muss der Musterhaushalt sogar 196 Euro mehr bezahlen – das ist ein Plus von knapp 18 Prozent. Durchschnittlich steigen die Gaskosten bei den 38 Unternehmen um rund 137 Euro.
Bereits in den vergangenen Monaten hatten zahlreiche Gasanbieter die Preise erhöht. Energieexperten sehen die hohen Ölpreise als wichtigsten Grund dafür an. Die Ölnotierungen hatten zu Jahresbeginn unter anderem durch die Krisen in Nahost und Nordafrika stark angezogen. Die Ölpreisbindung ist nach einem Gerichtsurteil in Endkundenverträgen zwar abgeschafft, in den Lieferverträgen, die von den Gasanbietern mit ihren Gaslieferanten geschlossen werden, ist sie aber oft weiterhin enthalten. Deshalb steigen nun – einige Monate nach den Ölpreisen – auch die Gaspreise.
In den kommenden Monaten werden weitere Gaspreiserhöhungen erwartet. Denn die weltweite Nachfrage steigt, da Gas als vergleichsweise sauberer und klimafreundlicher Energieträger gilt. Außerdem setzen zahlreiche Länder bei der Stromerzeugung zunehmend auf Gaskraftwerke, um Kohle- und Atommeiler zu ersetzen. Der russische Gasexporteur Gazprom, der etwa ein Drittel des in Deutschland benötigten Gases liefert, kündigte bereits neue Preissprünge an. Für Verbraucher kann es sich deshalb lohnen, einen Gasvergleich durchzuführen und gezielt nach einem günstigen Gastarif mit Preisgarantie zu suchen. Auch beim Strom erwarten Experten um die Jahreswende steigende Preise – unter anderem durch den Atomausstieg und den Ausbau der erneuerbaren Energien – und raten Stromtarife zu vergleich und den Stromanbieter zu wechseln, die das aktuelle Preisniveau fixieren.