Gastarif Archive

BGH-Urteil: Keine Rückzahlung zu hoher Gaspreise ohne Einspruch

Der Bundesgerichtshof hat zwei Gasanbietern im Streit um zu hohe Gaspreise recht gegeben. Verbraucher verlieren demnach das Recht auf eine Rückzahlung der zu Unrecht erhobenen Beträge, wenn sie nicht innerhalb von drei Jahren Einspruch gegen die Rechnung einlegen.

Die Frist beginnt laut den beiden Urteilen zu laufen, sobald einem Kunden die Jahresabrechnung, in der die unzulässige Preiserhöhung erstmals berücksichtigt worden ist, zugegangen ist. Der VIII. Zivilsenat des BGH verwies die strittigen Verfahren zurück an die Vorinstanzen, die nun klären müssen, welche Forderungen der Kunden innerhalb des Drei-Jahres-Zeitraums geltend gemacht wurden.

In beiden Verfahren geht es um Preiserhöhungen bei sogenannten Sondervertragskunden, also Kunden, die nicht in der Grundversorgung beliefert werden. In den Verträgen waren rechtlich unwirksame Preisanpassungsklauseln enthalten, die Kunden hatten aber dennoch jahrelang die geforderten Preise bezahlt. Erst später forderten sie einen Teilbetrag zurück oder kürzten die Zahlungen an den Gasanbieter.

Der BGH urteilte, es dürfe nicht der beim Jahre zurückliegenden Vertragsschluss vereinbarte Arbeitspreis zugrunde gelegt werden. Statt dessen müsse die durch die unwirksame Preisklausel entstandene Regelungslücke im Wege einer “ergänzenden Vertragsauslegung” zu durch eine Regelung zu schließen, wie sie beide Parteien bei einer Abwägung ihrer Interessen redlicherweise geschlossen hätten.

Gazprom: Keine Gaspreis Senkung für RWE und E.ON

Mehrere europäische Gasversorger können sich über eine Gaspreis Senkung von Gazprom freuen. Der russische Exporteur reagiert damit auf anhaltende Kritik über zu hohe Tarife. Die beiden größten deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON kommen allerdings nicht in den Genuss von günstigeren Gaspreisen.

Branchenkenner spekulieren, dass die beiden Unternehmen damit für ihren Gang vor ein Schiedsgericht im vergangenen Jahr abgestraft werden sollen. Auf diese Weise wollten sie niedrigere Preise erreichen, nachdem Verhandlungen mit Gazprom ergebnislos geblieben waren. Auch der polnische Versorger PGNiG, der ebenfalls ein Schiedsverfahren gegen Gazprom anstrengte, ging leer aus. Günstigere Preise wurden dagegen GDF Suez (Frankreich), SPP (Slowakei), Sinergie Italiane (Italien) und Econgas (Österreich) gewährt. In Deutschland kommt der Gashändler Wingas, der je zur Hälfte dem BASF-Konzern und Gazprom gehört, in den Genuss sinkender Tarife.

Um wie viel die Tarife sinken, wurde nicht bekannt. Konzern-Vize Alexander Medwedew teilte laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti jedoch mit, es handele es sich um eine marktgerechte Anpassung der Preise. Viele europäischen Gasgroßhändler haben mit Gazprom langjährige Lieferverträge geschlossen, in denen sich die Gaspreise an den Ölnotierungen orientieren. Dadurch sind die Preise in diesen Kontrakten derzeit auf einem sehr hohen Niveau, während Gas an den Energiebörsen wesentlich billiger zu haben ist. Das brachte zahlreiche Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und führte für Millionen europäische Endkunden zu Gaspreiserhöhungen. Gazprom konnte dagegen im vergangenen Jahr Rekordgewinne einfahren.

Der russische Staatskonzern deckt mehr als 30 Prozent des deutschen Gasbedarfs und drängt zunehmend auch in den europäischen Gashandel und ins Endkundengeschäft. Zuletzt übernahm Gazprom den deutschen Stromanbieter envacom und erhöhte seine Beteiligung beim Gasimporteur VNG. Neue Konkurrenz entsteht aber gleichzeitig durch neue Gasfördertechniken, mit denen sogenannte unkonventionelle Gasvorkommen ausgebeutet werden können. Die Gaspreise an den Energiebörsen sind dadurch derzeit niedrig, was sich in den günstigen Tarifen einzelner Gasanbieter widerspiegelt. Welche Angebote im Einzelfall zur Verfügung stehen und welche Ersparnis möglich ist, klärt schnell und kostenlos ein Gaspreisvergleich.

Gaspreiserhöhung in Berlin: Die Gasag hebt die Preise an

Gas wird für tausende Berliner ab Februar 2012 teurer: Die Gasag, der Grundversorger in der Hauptstadt, hebt ihre Preise an. Die Kilowattstunde kostet künftig 0,595 Cent mehr. Der monatliche Grundpreis und die übrigen Bedingungen werden von der Gaspreiserhöhung nicht berührt.

Eine Familie, die in einem Reihenhaus oder einer größeren Wohnung jährlich rund 20.000 Kilowattstunden Gas verbraucht, muss im Grundversorgungstarif “Gasag-Komfort” aufgrund der Preiserhöhung jährliche Mehrkosten von 119 Euro einkalkulieren. Das entspricht einer Preiserhöhung von rund 8,6 Prozent. In einer kleineren Wohnung, in der rund 9.000 Kilowattstunden Gas verbraucht werden, schlägt die Tariferhöhung mit jährlich 53,55 Euro zu Buche, was einem Plus von 7,7 Prozent entspricht.

Nach Angaben der Gasag sind vor allem stark gestiegene Einkaufskosten der Grund für die Preiserhöhung. Man habe seit Oktober 2010 die Gaspreise stabil halten können, sei nun aber zu einer Anpassung gezwungen. Die konjunkturelle Erholung nach der Wirtschaftskrise und die weltweit steigende Nachfrage nach Gas habe die Kosten hochgetrieben. Außerdem wird in langfristigen Lieferverträgen zwischen Gasanbietern und Gasförderern häufig eine Bindung an den Ölpreis angewendet, der 2011 deutlich gestiegen ist. Über 500 Gasversorger mussten deshalb bereits im laufenden Jahr ihre Preise erhöhen.

Für Gaskunden – nicht nur in Berlin – kann sich ein Gasanbieter Vergleich deshalb lohnen. Bis zu 500 Euro können sie jährlich durch den Wechsel in einen günstigeren Gastarif sparen. Ein kostenloser und unverbindlicher Online-Vergleich mit dem Gasrechner zeigt blitzschnell, welche Angebote im individuellen Einzelfall zur Verfügung stehen und wie hoch die Einsparung im jeweiligen Tarif ausfallen würde. Auf Wunsch kann auch der Wechsel des Gasanbieters gleich online in Auftrag gegeben werden. Eine Gaspreiserhöhung kann deshalb auch die Chance für günstigere Gaspreise sein.

Gaspreise und Strompreise: Erhöhung im Dezember und Januar

Energie wird für Millionen Verbraucher zum Jahreswechsel teurer: Insgesamt 164 Energieanbieter planen eine Erhöhung ihrer Grundversorgungstarife im Dezember und Januar. 97 Stromtarife und 67 Gastarife sind von der Erhöhung betroffen. Die Hauptgründe: Beim Gas die Ölpreisbindung, beim Strom die höheren Netzentgelte.

Im Durchschnitt erhöhen die 97 Stromanbieter ihre Allgemeinen Tarife um 45,72 Euro jährlich, das entspricht einem Plus von 3,71 Prozent. Beim Gas liegt die Steigerung sogar bei 110,22 Euro oder 8,25 Prozent. Am kräftigsten langen die Verbandsgemeindewerke Hochspeyer beim Strom mit einer Preiserhöhung um 178,50 Euro bzw. 14,93 Prozent hin. Die Gaspreise steigen bei den Stadtwerken Traunstein am stärksten. Deren Kunden müssen künftig 235,14 Euro mehr bezahlen – das entspricht einer Erhöhung um 19,41 Prozent. Sämtliche Preise wurden für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt berechnet, der 5.000 Kilowattstunden Strom und 20.000 Kilowattstunden Gas verbraucht.

Beim Gas machen sich vor allem höhere Einkaufskosten der Versorger bemerkbar. In ihren Verträgen mit Gaslieferanten wie Gazprom ist häufig noch eine Ölpreisbindung enthalten. Dadurch schlagen seit dem Sommer die zu Jahresbeginn 2011 stark gestiegen Ölpreise auf die Gaspreise durch. Hunderte Gasanbieter hatten bereits in den vergangenen Monaten die Tarife angehoben. Beim Strom sind es vor allem die höheren Netzentgelte, die ab Januar 2012 in vielen Netzgebieten fällig werden, die den Strompreis nach oben treiben. Die EEG-Umlage steigt dagegen zum Jahreswechsel nur marginal, und auch die Preise an der Leipziger Strombörse entwickelten sich zuletzt äußerst moderat.

Die höheren Netzentgelte gehen zu einem großen Teil auf politische Entscheidungen zurück. So erlaubt eine Regelungslücke, die nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs entstanden war und nicht rechtzeitig geschlossen wurde, den Netzbetreibern deutliche Preiserhöhungen. Zudem wurden energieintensive Unternehmen weitgehend von den Netzentgelten befreit, was die Belastung der verbliebenen kleineren Verbraucher steigen lässt. Verbrauchern bleibt als Ausweg aus der Kostenfalle nur ein kostenloser Tarifvergleich und der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. Dadurch lassen sich bis zu 500 Euro jährlich beim Strom und ähnliche Summen beim Gas sparen. Oft können Haushalte ihre Energierechnung auf diese Weise sogar deutlich senken.

Gesetzeslücke: Netzentgelte machen Gas und Strom 2012 teurer

Eine Gesetzeslücke dürfte Gas und Strom für viele Verbraucher spürbar verteuern. Weil die Regierung nicht auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem vergangenen Juni reagiert hat, das die Regulierung der Netzentgelte teilweise für gesetzeswidrig erklärte, können die Netzbetreiber ihre Gebühren kräftig anheben. Zahlreiche Unternehmen wollen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Weil die Strom- und Gasnetze Monopole darstellen – es gibt an jedem Ort beispielsweise nur ein Netz eines Netzbetreibers und keine Konkurrenz – werden die Netzentgelte von der Bundesnetzagentur überwacht. In einem als Anreizregulierung bezeichneten Verfahren wurde dabei die Erlösobergrenze für jeden Netzbetreiber jährlich um 1,25 Prozent gesenkt, um die Unternehmen zu mehr Effizienz zu zwingen. Unter anderem diese Praxis wurde im Juni 2011 vom Bundesgerichtshof beanstandet und gekippt. Die Bundesnetzagentur wies laut Frankfurter Rundschau die Bundesregierung auf die entstandene Lücke hin. Doch es wurde keine neue Regelung geschaffen.

Dadurch drohen den Energiekunden nun Mehrausgaben von insgesamt rund zwei Milliarden Euro. Verbraucherschützer sind empört: Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband sprach Medienberichten zufolge von einem unglaublichen Vorgang. Wirtschaftsminister Philipp Rösler habe durch seine Untätigkeit Bürgern und Gewerbetreibenden drastische und unnötige Preissteigerungen beschert. Verbraucher können höheren Netzentgelten nicht durch einen Gasanbieterwechsel oder Stromanbieterwechsel entkommen – diese gelten unabhängig vom Energieanbieter und hängen vom Wohnort ab. Durch einen günstigeren Versorger können lediglich die Folgen der höheren Netzentgelte aufgefangen werden.

Die genaue Höhe der Netzentgelte 2012 steht noch nicht fest. Die Netzbetreiber mussten aber bis zum 15. Oktober eine Schätzung vorlegen. Demnach wollen auch mehrere große Unternehmen deutlich mehr verlangen. In Berlin will die Vattenfall-Netztochter beispielsweise künftig 5,89 statt 5,43 Cent pro Kilowattstunde kassieren. Die Stromrechnung eines Vier-Personen-Haushalts mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden (kWh) würde dadurch um rund 23 Euro steigen. Im Netzgebiet von E.ON Bayern würde die Erhöhung von 6,02 auf 6,84 Cent pro kWh mit 41 Euro jährlich zu Buche schlagen.

Gasanbieter Test: Mainova und EnBW scheiden am besten ab

Die Versorger Mainova und EnBW haben in einem bundesweiten Gasanbieter-Test am besten abgeschnitten. Das Vergleichsportal CHECK24 nahm in der Studie die Grundversorger sowie die fünf günstigsten Alternativanbieter in den zehn größten deutschen Städten unter die Lupe. Bewertet wurden die Vertragsbedingungen und der Kundenservice, aber auch die Gaspreise. Untersucht wurden die Angebote der Gasanbieter für drei Haushaltsgrößen (Single, Paar und Familie).

Unterm Strich lag die Mainova mit ihrem Tarif Erdgas Direkt vorn. Der Frankfurter Versorger erzielte mit einem “guten” Kundenservice und “sehr guten” Vertragsbedingungen die Top-Platzierung im Test. Knapp dahinter landete die EnBW als zweite auf dem Siegerpodest. Der baden-württembergische Gasanbieter zeigte den besten Service des Testfeldes und erhielt als einziges Unternehmen in dieser Kategorie ein “sehr gut”. Auch der Dritte im Test – die Stadtwerke Düsseldorf – kommt aus dem Lager der etablierten Versorger.

Die unabhängigen Discount-Anbieter verpassten wegen Einschränkungen bei Service und Vertragsbedingungen Platzierungen an der Spitze. Im Hinblick auf die Gaspreise lagen sie aber an der Spitze und unterboten die Grundversorger teils deutlich. In allen untersuchten Städten kam das günstigste Angebot von FlexGas, auch Ökoflex, HitGas und Priogas lagen preislich meist vorn. Verbraucher müssen bei ihnen allerdings teilweise jährliche Vorauszahlungen leisten, auch die Tarifkonditionen sind oft weniger flexibel. So wurden häufig Pakettarife und Angebote mit Mehr-Minderverbrauchsaufschlag angeboten.

Verbraucher sollten daher prüfen, welche Angebote für sie in Frage kommen und welche Aspekte ihnen bei der Tarifwahl besonders wichtig sind. Bei einem Gasvergleich können individuelle Kriterien bei der Suche berücksichtigt werden, indem entsprechende Optionen im Tarifrechner gewählt werden. Zudem bieten die AGB-Bewertung durch Tarifexperten und die Kundenbewertungen durch andere Nutzer ein realistisches Bild von den Leistungen der einzelnen Versorger, so dass Verbraucher schnell und unkompliziert den idealen Gastarif finden und von den Einsparungen profitieren können.

Steigende Gaspreise treiben Gewinne bei Gazprom auf Rekordniveau

Gazprom hat im ersten Quartal 2011 einen Rekordgewinn eingefahren. Der Überschuss kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42 Prozent auf 478,5 Milliarden Rubel. Die Gründe: Der Gasexport legte deutlich zu. Außerdem konnte der Konzern höhere Gaspreise von den Abnehmern kassieren.

Das kalte Winterwetter in Europa am Jahresbeginn ließ den Gasexport deutlich ansteigen. Mit 46,6 Milliarden Kubikmetern legten die Ausfuhren nach Europa und in die Türkei um zwölf Prozent zu. Noch stärker fiel der Anstieg bei den Gaslieferungen in die ehemaligen Sowjetrepubliken aus: Mit 29 Milliarden Kubikmetern pumpte Gazprom eine um 72 Prozent höhere Gasmenge in diese Länder. In Russland selbst stagnierte der Gasabsatz dagegen.

Hinzu kamen die höheren Preise. Europäische Abnehmer mussten beispielsweise für 1.000 Kubikmeter 10.041,50 Rubel oder rund 240 Euro bezahlen – Steuern und Zölle eingeschlossen. Ein Jahr zuvor waren es rund 14 Prozent weniger. Ein Grund: Die Ölpreisbindung, die in vielen langfristigen Lieferverträgen festgeschrieben ist und die Gazprom nicht aufgeben will. E.ON kündigte deshalb bereits an, vor ein Schiedsgericht zu ziehen. Auch in den übrigen Liefergebieten erzielte Gazprom Preissteigerungen. Der Umsatz des Unternehmens lag mit 1.316,7 Milliarden Rubel (31,5 Milliarden Euro) um 38 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.

Was in Moskau die Kasse klingeln lässt, schlägt Verbrauchern in Deutschland aufs Portemonnaie: Zahlreiche Gasversorger müssen ihre Preise erhöhen – 277 Unternehmen heben allein im September und Oktober die Preise ihrer Grundversorgungstarife an. Gleichzeitig wird ein Preisvergleich für Gaskunden immer lohnender: Gas ist am Weltmarkt derzeit im Überfluss und damit günstig zu haben. Versorger, die nicht vertraglich an teure Lieferanten gebunden sind, können deshalb wesentlich günstigere Preise anbieten als ihre Konkurrenten. Damit steigen auch die erreichbaren Einsparungen für Verbraucher.

News und Informationen über Strom finden Sie auf: www.stromwechseln.de

Gaspreiserhöhung im September und Oktober 2011 von 229 Gasanbietern

Insgesamt 199 Gasanbieter haben für August und September 2011 eine Gaspreiserhöhung angekündigt. Für die Verbraucher bedeutet das durchschnittliche Mehrkosten von elf Prozent – gerechnet auf einen Vier-Personen-Haushalt werden demnach im Schnitt 143 Euro mehr für Gas fällig. In der Spitze liegt die Gaspreiserhöhung sogar bei 25 Prozent.

Betroffen von dieser Erhöhung in der Spitze sind die Kunden der Gasversorgung Wismar Land, sie müssen in Zukunft jährlich 404 Euro mehr für ihr Gas zahlen. Doch nicht nur kleinere Gasanbieter kündigten Preiserhöhungen an: Auch etablierte Konzerne wie E.ON Avacon, EWE und Mainova bitten ihre Kunden zukünftig stärker zu Kasse. Deutschlandweit werden rund 6,3 Millionen Haushalte von der angekündigten Gaspreiserhöhung betroffen sein.

Im Jahr 2011 erhöhten einschließlich August bereits 138 Gasversorger ihre Preise um etwa zehn Prozent (132 Euro). Rechnet man die 229 Gasanbieter, die eine Preiserhöhung bis spätestens Oktober angekündigt haben, mit ein, liegt die Gesamtzahl der Unternehmen, die eine Gaspreiserhöhung vornahmen schon über dem Gesamtwert von 2010. Im Vorjahr hatten insgesamt 261 Anbieter die Gaspreise um durchschnittlich neun Prozent (115 Euro) angehoben. Aufgrund des gestiegenen Ölpreises müssen Kunden in den kommenden Monaten mit weiteren Gaspreiserhöhungen rechnen.

Zwar sind die Endverbraucher offiziell nicht an die Entwicklung des Ölpreises gebunden, doch in der Regel passt sich die Entwicklung des Gaspreises mit einer halbjährlichen Verzögerung an den Ölpreis an. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Gasanbieter existieren nach wie vor große Preisunterschiede am Energiemarkt – ein Gaspreisvergleich kann sich für Verbraucher daher bezahlt machen. Vor allem Gasversorger die aufgrund langfristig angelegter Lieferverträge an den Ölpreis gebunden sind erhöhen aktuell die Preise. Vorrangig neue Gasanbieter können hingegen aus dem derzeitigen Überangebot Kapital schlagen und somit ihr Gas deutlich günstiger an den Endkunden weitergeben.

Gaspreise Erhöhung im August und September: 90 Versorger verlangen mehr

Rund 2,5 Millionen Gaskunden müssen ab August und September mehr für Gas bezahlen: Ihre Gasanbieter planen in den kommenden beiden Monaten eine Gaspreiserhöhung. Im Durchschnitt steigen die Gaspreise um elf Prozent, das ergab eine Auswertung der Grundversorgungstarife durch CHECK24. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh muss damit jährlich 144 Euro mehr für Gas bezahlen. Teilweise fällt die Erhöhung aber auch deutlich massiver aus.

Zum Beispiel bei der Energieversorgung Oberes Wiesenthal in Baden-Württemberg: Deren Kunden müssen ab August um 29 Prozent mehr für Gas bezahlen. Die Kasse des Musterhaushaltes belastet das mit 380 Euro jährlich. Noch stärker langt die Gasversorgung Wismar Land Vertrieb GmbH hin. Die Erhöhung liegt zwar nur bei 25 Prozent. Weil die Gaspreise dieses Unternehmen aber zuvor bereits relativ hoch waren, steigt die jährliche Gasrechnung ihrer Kunden für 20.000 kWh ab September sogar um 404 Euro.

Auch einige große Gasversorger drehen an der Preisschraube: So steigen die Gaspreise bei E.ON Avacon um neun Prozent oder 144 Euro pro Jahr. Kunden des Oldenburger Versorgers EWE müssen ein Plus von 13 Prozent oder 168 Euro einkalkulieren. 42 weitere Grundversorger hatten bereits zum 1. Juli eine Gaspreiserhöhung durchgeführt. Energieexperten erwarten, dass weitere Versorger in den kommenden Monaten nachziehen werden. Als Grund wird zum einen die langfristig steigende Nachfrage genannt, weil Gaskraftwerke eine zunehmende Rolle in der Stromversorgung spielen, aber auch die Entwicklung der Ölpreise.

Denn viele Versorger beziehen ihr Gas über langfristige Verträge, die sich – mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung – an den Ölnotierungen orientieren. Und die waren zu Jahresbeginn kräftig gestiegen. Gasanbieter, die sich im Börsenhandel kurzfristig eindecken, können dagegen derzeit relativ günstig einkaufen. Durch moderne Fördermethoden können Gasvorkommen gefördert werden, die bisher nicht erschließbar waren. Für Verbraucher bedeutet das, dass sie durch einen Gaspreisvergleich derzeit besonders hohe Einsparungen erzielen können.

Verhandlungen über niedrigere Gaspreise zwischen Gazprom und E.ON ohne Ergebnis

Viele Gaskunden müssen weiter mit hohen oder sogar steigenden Gastarifen rechnen: Die Gespräche zwischen dem deutschen Energiekonzern E.ON und dem russischen Gasexporteur über niedrigere Gaspreise blieben ohne Ergebnis. Eine Verhandlungsfrist in den Verträgen zwischen beiden Unternehmen lief vor wenigen Tagen ab, ohne dass eine Einigung erreicht worden wäre.

E.ON Ruhrgas ist über Gasverträge mit einer sehr langen Laufzeit an Gazprom gebunden, allerdings sind immer wieder Fristen zu einer Neubestimmung der Preise vorgesehen. Ohne Einigung gelten jedoch die alten Regelungen weiter. Noch ist unklar, ob beide Parteien die Verhandlungsfrist verlängern oder ob E.ON ein Schiedsgericht anrufen wird. Die Verhandlungen waren bedeutsam für viele Gasversorger und damit auch deren Kunden. Denn zahlreiche Gasanbieter – vor allem Stadtwerke – beziehen ihr Gas von E.ON Ruhrgas. Auch ein Wechsel des Gaslieferanten ist für diese Unternehmen nicht einfach: Gazprom deckt rund ein Drittel des deutschen Erdgasbedarfs.

Grund für das hohe Preisniveau der russischen Erdgaslieferungen ist die Ölpreisbindung. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung folgen die Gaspreise den Notierungen für Öl, die zu Jahresbeginn stark gestiegen waren. Zahlreiche Gasanbieter müssen deshalb zurzeit ihre Tarife anheben oder planen einen solchen Schritt. An den Energiebörsen ist Erdgas für die Versorger dagegen momentan vergleichsweise billig zu haben, weil es dort keine Ölpreisbindung gibt und durch neue Techniken große Erdgasvorkommen neu erschlossen werden konnten. Gaslieferanten, die sich dort kurzfristig mit Gas eindecken, können deshalb vergleichsweise günstige Tarife anbieten.

Kunden können die zunehmenden Preisunterschiede durch einen Gasanbieter Wechsel ausnutzen und kräftig sparen – viele Gasanbieter geraten dagegen zunehmend unter Druck, weil sie die Kostensteigerungen im Gaseinkauf durch den Wettbewerb auf dem Gasmarkt nicht in voller Höhe an ihre Abnehmer weitergeben können. Allein E.ON Ruhrgas erwartet 2011 einen Verlust von rund einer Milliarde Euro. Ganz im Gegenteil zu Gazprom: Die Russen rechnen mit Rekordgewinnen – und wollen die sprudelnden Einnahmen nutzen, um sich auch an Kraftwerken in Westeuropa zu beteiligen.