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Schneller wechseln: Regierung kürzt Kündigungsfrist in der Grundversorgung

Hunderttausende Verbraucher können künftig leichter ihren Strom- oder Gasanbieter wechseln: Die Bundesregierung hat beschlossen, die Kündigungsfrist für Kunden in der Grundversorgung auf zwei Wochen zu kürzen. Bisher betrug sie vier Wochen. Der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen. Sie soll im Frühjahr in Kraft treten.

Neben der kürzeren Zeitspanne sollen Verbraucher auch davon profitieren, dass sie ihren Vertrag auch während eines laufenden Monats beenden können. Bisher war eine Kündigung nur zum Monatsende möglich. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will mit der Neuregelung für mehr Wettbewerb und niedrige Energiepreise sorgen, weil Kunden schneller in zu einem günstigeren Anbieter wechseln können. “Ich kann die Verbraucher nur dazu ermuntern, von ihren neuen Rechten bei der Wahl des günstigsten Anbieters Gebrauch zu machen”, teilte der Minister mit.

Die Neufassung der Grundversorgungsverordnung ist nur einer von mehreren Schritten der Regierung, um den Anbieterwechsel zu beschleunigen. Bereits im vergangenen Jahr wurde eine Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes beschlossen, die ab April in Kraft tritt. Demnach darf die Umstellung vom alten auf den neuen Versorger dann nur noch drei Wochen dauern. Die Frist beginnt allerdings nicht, wenn der Verbraucher den Wechselantrag stellt, sondern erst, wenn der neue Anbieter den Wechsel beim Netzbetreiber anmeldet.

Verbraucherschützer kritisieren die neuen Regelungen deshalb als nicht weitgehend genug und als intransparent. Der Kunde könne nicht nachvollziehen, wann der neue Versorger mit dem Netzbetreiber kommuniziere. Die Beschleunigung des Wechsels, der bisher sechs bis zwölf Wochen dauert, sei aber ein Schritt in die richtige Richtung. Ähnlich bewertet auch der Bund der neuen Energieanbieter die Beschlüsse. Kritik kommt hingegen aus den Reihen der Grundversorger, die steigende Kosten befürchten, weil die schnelleren Wechselprozesses einen höheren IT-Aufwand nach sich zögen. Grundversorgungstarife gehören häufig zu den besonders teuren Angeboten für Privatkunden. Sie kommen beim Strom auf einen Marktanteil von rund 44 Prozent, beim Gas auf rund 25 Prozent. Verbraucher, die keinen Anbieter- oder Tarifwechsel vornehmen, werden automatisch in der Grundversorgung beliefert.

Teldafax: Gasanbieter erhält Kündigung zahlreicher Netzbetreiber

Der angeschlagene Gasanbieter Teldafax bekommt von immer mehr Netzbetreibern die Kündigung. Grund sind unbezahlte Rechnungen für die Netznutzung. Teldafax kann seine Kunden in den betroffenen Gebieten damit nicht mehr beliefern. Sie erhalten ihr Gas nun vom teureren Grundversorger. Verbraucherschützer raten deshalb, bald einen neuen Gastarif zu wählen.

Bochum, Essen, Cottbus, Stuttgart, Berlin – in vielen Städten darf der Troisdorfer Gasanbieter Teldafax die Gasleitungen nicht mehr benutzen. Immer mehr Netzbetreiber sprechen dem Unternehmen die Kündigung aus, weil Rechnungen für die Netznutzung nicht bezahlt wurden. Damit kann Teldafax seine Kunden in den jeweiligen Gebieten nicht mehr mit Gas beliefern. Die Betroffenen werden vom Netzbetreiber und dem Grundversorger per Post über die Umstellung der Versorgung informiert.

Die Gaslieferungen werden zwar nicht unterbrochen. Der örtliche Grundversorger muss ohne Verzögerung einspringen. Doch er verlangt meist wesentlich höhere Preise. Zudem müssen die betroffenen Kunden versuchen, geleistete Vorauszahlungen von Teldafax zurück zu bekommen. Hinweise und Musterschreiben halten unter anderem die Verbraucherzentralen auf ihren Internetseiten bereit. Sie empfehlen auch, vorsichtshalber den Gasvertrag mit Teldafax noch einmal selbst zu kündigen, auch wenn das Unternehmen nicht mehr liefern kann. Am letzten Liefertag von Teldafax sollte zudem der Stand des Gaszählers dokumentiert werden.

Verbraucherschützer raten, bald einen anderen Gastarif zu wählen. Auch der Grundversorger hat meist günstigere Angebote parat. Ein Gasvergleich im Internet klärt, zu welchen Preise alternative Anbieter Gas liefern können. Teldafax ist nach monatelangen Gerüchten um eine drohende Insolvenz inzwischen in der Hand der Investmentgesellschaften Prime Mark Financial Group und Sigma Citation Capital Strategies Limited. Die Leitung des Unternehmens hat der Sanierungsexperte Hans-Gerd Höptner übernommen, der unter anderem den Bekleidungshersteller Schiesser erfolgreich durch das Insolvenzverfahren führte.