Millionen Gaskunden müssen sich derzeit auf eine deftige Gaspreiserhöhung einstellen. Doch der Dreh an der Preisschraube pünktlich zu Beginn der Heizperiode ist meist unbegründet, beklagen Verbraucherschützer. In vielen Fällen steigen die Gaspreise demnach wesentlich stärker, als sich durch die höheren Beschaffungskosten für die Gasanbieter erklären lasse.
Der Energieexperte Gunnar Harms hat für den Bund der Energieverbraucher, in dem er selbst Vorstandsmitglied ist, nachgerechnet. Demnach stieg der Gaspreis am Terminmarkt – also für Gas, das jetzt gekauft wird und zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft geliefert wird – zwischen dem zweiten und vierten Quartal 2011 nur um rund 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Anders sieht es dagegen bei Gas aus, das über langfristige Lieferverträge mit Ölpreisbindung beschafft wird, wie sie zum Beispiel E.ON Ruhrgas mit Gazprom abgeschlossen hat: Dafür mussten Versorger im Einkauf 0,8 Cent mehr bezahlen.
Durch diese Entwicklung der Beschaffungskosten lassen sich laut Harms nur Preiserhöhungen maximal im einstelligen Prozentbereich erklären. Vorausgesetzt, der Gasanbieter verfolgt eine kluge Beschaffungsstrategie und beschafft nicht seinen gesamten Gasbedarf über ölgebundene Lieferverträge. Der Preisanstieg fällt aber in der Realität wesentlich gravierender aus: Im September und Oktober werden allein 280 Grundversorgungstarife teurer – um durchschnittlich elf Prozent. Im Einzelfall müssen sogar bis zu 25 Prozent mehr bezahlt werden. Für eine Familie mit einem Gasverbrauch von jährlich 20.000 Kilowattstunden bedeutet das jährliche Mehrkosten von bis zu 400 Euro.
Da liegt ein Schluss nahe: “Viele Gasversorger sahnen nur einfach ab oder haben teures heizölgebundenes Gas geordert”, so Aribert Peters, Vereinsvorsitzender beim Bund der Energieverbraucher. Sein Rat für Betroffene: der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. Durch einen Gaspreis Vergleich können Verbraucher oft beträchtliche Summen einsparen. Denn an den Weltmärkten ist Gas nach wie vor im Übermaß und günstig zu haben – Versorger, die geschickt einkaufen, können daher ihre Gaspreise stabil halten oder sogar senken.
Insgesamt 199 Gasanbieter haben für August und September 2011 eine Gaspreiserhöhung angekündigt. Für die Verbraucher bedeutet das durchschnittliche Mehrkosten von elf Prozent – gerechnet auf einen Vier-Personen-Haushalt werden demnach im Schnitt 143 Euro mehr für Gas fällig. In der Spitze liegt die Gaspreiserhöhung sogar bei 25 Prozent.
Betroffen von dieser Erhöhung in der Spitze sind die Kunden der Gasversorgung Wismar Land, sie müssen in Zukunft jährlich 404 Euro mehr für ihr Gas zahlen. Doch nicht nur kleinere Gasanbieter kündigten Preiserhöhungen an: Auch etablierte Konzerne wie E.ON Avacon, EWE und Mainova bitten ihre Kunden zukünftig stärker zu Kasse. Deutschlandweit werden rund 6,3 Millionen Haushalte von der angekündigten Gaspreiserhöhung betroffen sein.
Im Jahr 2011 erhöhten einschließlich August bereits 138 Gasversorger ihre Preise um etwa zehn Prozent (132 Euro). Rechnet man die 229 Gasanbieter, die eine Preiserhöhung bis spätestens Oktober angekündigt haben, mit ein, liegt die Gesamtzahl der Unternehmen, die eine Gaspreiserhöhung vornahmen schon über dem Gesamtwert von 2010. Im Vorjahr hatten insgesamt 261 Anbieter die Gaspreise um durchschnittlich neun Prozent (115 Euro) angehoben. Aufgrund des gestiegenen Ölpreises müssen Kunden in den kommenden Monaten mit weiteren Gaspreiserhöhungen rechnen.
Zwar sind die Endverbraucher offiziell nicht an die Entwicklung des Ölpreises gebunden, doch in der Regel passt sich die Entwicklung des Gaspreises mit einer halbjährlichen Verzögerung an den Ölpreis an. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Gasanbieter existieren nach wie vor große Preisunterschiede am Energiemarkt – ein Gaspreisvergleich kann sich für Verbraucher daher bezahlt machen. Vor allem Gasversorger die aufgrund langfristig angelegter Lieferverträge an den Ölpreis gebunden sind erhöhen aktuell die Preise. Vorrangig neue Gasanbieter können hingegen aus dem derzeitigen Überangebot Kapital schlagen und somit ihr Gas deutlich günstiger an den Endkunden weitergeben.
Die Gaspreise steigen im Sommer: Mit der EnBW kündigte ein großer Gasanbieter eine Preiserhöhung um knapp zehn Prozent zum 1. August an. Bislang gaben zudem weitere 37 Grundversorger eine Tariferhöhung im Juli oder August bekannt. Um durchschnittlich gut zehn Prozent müssen die Kunden mehr bezahlen.
Die EnBW verlangt im Grundversorgungstarif ErdgasPlus um 0,64 Cent mehr pro Kilowattstunde. das bedeutet für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 20.000 kWh, dass die Gasrechnung um 128 Euro pro Jahr steigt. Am stärksten erhöhen die Stadtwerke Verden ihren Gaspreis: Bei ihnen muss der Musterhaushalt sogar 196 Euro mehr bezahlen – das ist ein Plus von knapp 18 Prozent. Durchschnittlich steigen die Gaskosten bei den 38 Unternehmen um rund 137 Euro.
Bereits in den vergangenen Monaten hatten zahlreiche Gasanbieter die Preise erhöht. Energieexperten sehen die hohen Ölpreise als wichtigsten Grund dafür an. Die Ölnotierungen hatten zu Jahresbeginn unter anderem durch die Krisen in Nahost und Nordafrika stark angezogen. Die Ölpreisbindung ist nach einem Gerichtsurteil in Endkundenverträgen zwar abgeschafft, in den Lieferverträgen, die von den Gasanbietern mit ihren Gaslieferanten geschlossen werden, ist sie aber oft weiterhin enthalten. Deshalb steigen nun – einige Monate nach den Ölpreisen – auch die Gaspreise.
In den kommenden Monaten werden weitere Gaspreiserhöhungen erwartet. Denn die weltweite Nachfrage steigt, da Gas als vergleichsweise sauberer und klimafreundlicher Energieträger gilt. Außerdem setzen zahlreiche Länder bei der Stromerzeugung zunehmend auf Gaskraftwerke, um Kohle- und Atommeiler zu ersetzen. Der russische Gasexporteur Gazprom, der etwa ein Drittel des in Deutschland benötigten Gases liefert, kündigte bereits neue Preissprünge an. Für Verbraucher kann es sich deshalb lohnen, einen Gasvergleich durchzuführen und gezielt nach einem günstigen Gastarif mit Preisgarantie zu suchen. Auch beim Strom erwarten Experten um die Jahreswende steigende Preise – unter anderem durch den Atomausstieg und den Ausbau der erneuerbaren Energien – und raten Stromtarife zu vergleich und den Stromanbieter zu wechseln, die das aktuelle Preisniveau fixieren.
Die Preisentwicklung der Gasanbieter geht den geplanten Energiepreisveränderungen für Oktober und November 2010 zufolge in zwei verschiedene Richtungen. Einerseits planen 61 Versorger ihre Gastarife um bis zu 19 Prozent anzuheben, auf der anderen Seite wollen 54 Gasanbieter mit einem Preisnachlass von bis zu 18 Prozent bei ihren Kunden punkten. Diese Zahlen veröffentlichte das Vergleichsportal CHECK24 im Rahmen einer deutschlandweiten Studie zu den anstehenden Energiepreisveränderungen.
Diese differenzierte Entwicklung der Gaspreise ist auf die verschiedenen Strategien der einzelnen Gasanbieter bei der Beschaffung von Gas zurückzuführen. Energieversorger, die etwa von einem Großhandel günstiges Gas beziehen, können den niedrigen Einkaufpreis durch einen ebenfalls sinkenden Verkaufspreis direkt auf ihre Kunden umlegen. Die Preissenkungen der 54 Gasanbieter liegen im Schnitt bei etwa sechs Prozent, die Preissteigerungen der 61 Versorger bei durchschnittlich neun Prozent.
Auch im Strombereich ändern sich die Energiepreise. Hier haben sechs Stromanbieter angekündigt, ihre Preise um im Schnitt sechs Prozent anzuheben. Besonders Verbraucher in Bamberg müssen sich auf stark steigende Strompreise einstellen, die Kosten für den Grundversorgungstarif erhöhen sich hier um nahezu zehn Prozent. Bei einem Jahresverbrauch von 5000 kWh fallen dadurch Zusatzkosten in Höhe von bis zu 105 Euro an.
Um den Wettbewerb am Energiemarkt weiter zu fördern, sollten Verbraucher auf Preissteigerungen reagieren und den Gasanbieter wechseln. So können Energiekosten von bis zu 500 Euro pro Jahr eingespart werden.