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RWE prüft Rückzug aus Nabucco, Gazprom plant Ausbau von North Stream

RWE denkt über einen Rückzug aus dem Pipelineprojekt Nabucco nach. Damit erwägt nach der ungarischen MOL nun bereits der zweite europäische Energiekonzern den Abschied von dem EU-Prestigeprojekt. Für den russischen Staatskonzern Gazprom sind das gute Nachrichten – das Unternehmen plant eine Erweiterung der gerade erst fertiggestellten North Stream-Leitung.

Eine RWE-Sprecherin erklärte laut tagesschau.de, der Konzern prüfe, ob die kommerziellen und strategischen Anforderungen an Nabucco weiterhin gewahrt blieben. Eine Entscheidung, sich aus dem Projekt zurückzuziehen, sei allerdings noch nicht gefallen. RWE-Manager haben dem Bericht zufolge aber bereits Politiker in Berlin und Brüssel auf einen Ausstieg vorbereitet. Hintergrund seien die massiven Kostensteigerungen bei dem Projekt, das sich demnach von acht auf 15 Milliarden Euro verteuert habe, sowie die weiterhin fehlenden Lieferverträge mit Aserbaidschan und Turkmenistan.

Die EU hatte Nabucco vorangetrieben, um die einheimischen Gasanbieter unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu machen. Die Pipeline sollte Erdgas vom kaspischen Meer durch die Türkei nach Mitteleuropa transportieren. Am Betreiberkonsortium sind neben RWE und MOL auch die österreichische OMV, die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Tranzgas beteiligt. Doch während sich Nabucco immer weiter verzögert, schafft Gazprom Fakten: Der russische Staatskonzern will noch in diesem Jahr mit dem Bau seiner South Stream-Pipeline beginnen, die in direkter Konkurrenz zu Nabucco stehen würde.

Zudem denkt Gazprom bereits über eine Erweiterung der North Stream-Pipeline durch die Ostsee nach Mecklenburg-Vorpommern nach. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll in den nächsten acht Monaten die Planung von bis zu zwei weiteren Pipelinesträngen bewertet werden, wie die Nord Stream AG mitteilte. An der Betreibergesellschaft sind neben dem Mehrheitseigner Gazprom auch die deutschen Unternehmen BASF SE/Wintershall Holding GmbH und E.ON Ruhrgas AG sowie die niederländische N.V. Nederlandse Gasunie und die französische GDF SUEZ S.A. beteiligt. Im November 2011 wurde ein erster Leitungsstrang von North Stream eröffnet, eine zweite Röhre ist bereits gebaut und soll demnächst in Betrieb genommen werden.

Gazprom: Keine Gaspreis Senkung für RWE und E.ON

Mehrere europäische Gasversorger können sich über eine Gaspreis Senkung von Gazprom freuen. Der russische Exporteur reagiert damit auf anhaltende Kritik über zu hohe Tarife. Die beiden größten deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON kommen allerdings nicht in den Genuss von günstigeren Gaspreisen.

Branchenkenner spekulieren, dass die beiden Unternehmen damit für ihren Gang vor ein Schiedsgericht im vergangenen Jahr abgestraft werden sollen. Auf diese Weise wollten sie niedrigere Preise erreichen, nachdem Verhandlungen mit Gazprom ergebnislos geblieben waren. Auch der polnische Versorger PGNiG, der ebenfalls ein Schiedsverfahren gegen Gazprom anstrengte, ging leer aus. Günstigere Preise wurden dagegen GDF Suez (Frankreich), SPP (Slowakei), Sinergie Italiane (Italien) und Econgas (Österreich) gewährt. In Deutschland kommt der Gashändler Wingas, der je zur Hälfte dem BASF-Konzern und Gazprom gehört, in den Genuss sinkender Tarife.

Um wie viel die Tarife sinken, wurde nicht bekannt. Konzern-Vize Alexander Medwedew teilte laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti jedoch mit, es handele es sich um eine marktgerechte Anpassung der Preise. Viele europäischen Gasgroßhändler haben mit Gazprom langjährige Lieferverträge geschlossen, in denen sich die Gaspreise an den Ölnotierungen orientieren. Dadurch sind die Preise in diesen Kontrakten derzeit auf einem sehr hohen Niveau, während Gas an den Energiebörsen wesentlich billiger zu haben ist. Das brachte zahlreiche Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und führte für Millionen europäische Endkunden zu Gaspreiserhöhungen. Gazprom konnte dagegen im vergangenen Jahr Rekordgewinne einfahren.

Der russische Staatskonzern deckt mehr als 30 Prozent des deutschen Gasbedarfs und drängt zunehmend auch in den europäischen Gashandel und ins Endkundengeschäft. Zuletzt übernahm Gazprom den deutschen Stromanbieter envacom und erhöhte seine Beteiligung beim Gasimporteur VNG. Neue Konkurrenz entsteht aber gleichzeitig durch neue Gasfördertechniken, mit denen sogenannte unkonventionelle Gasvorkommen ausgebeutet werden können. Die Gaspreise an den Energiebörsen sind dadurch derzeit niedrig, was sich in den günstigen Tarifen einzelner Gasanbieter widerspiegelt. Welche Angebote im Einzelfall zur Verfügung stehen und welche Ersparnis möglich ist, klärt schnell und kostenlos ein Gaspreisvergleich.

Gasanbieter: Gewinne der Gasriesen E.ON und RWE brechen zu Jahresbeginn ein

Lange Gesichter in den Vorstandsetagen vieler Energieriesen: Das Gas-Überangebot an den Energiebörsen in Kombination mit ihren langfristigen Lieferverträgen und der Ölpreisbindung hat für kräftige Einbußen gesorgt. Mit Verbundnetz Gas, E.ON und RWE musste in dieser Woche drei Gasriesen sinkende Gewinne vermelden. Die Verbraucher können dagegen von dieser Entwicklung profitieren.

Durch neue Fördermethoden können zahlreiche neue Gasvorkommen gefördert werden. Das führt zu einem Überangebot an den Weltmärkten und zu niedrigen Gaspreisen an den Energiebörsen. Die großen deutschen Gasgesellschaften geraten dadurch immer mehr unter Druck: Sie haben sich durch langfristige Verträge, die sich an den hohen Ölpreisen orientieren, an ihre Gaslieferanten gebunden und müssen deshalb teuer Gas einkaufen – während die Konkurrenz sich am Spotmarkt zu günstigen Preisen eindecken kann. Die Folge: Die Gewinne der Gassparten schrumpfen rapide.

Das macht sich auch in den Bilanzen bemerkbar: E.ON musste einen bereinigten Konzernüberschuss vermelden, der mit 1,3 Milliarden Euro um ein Drittel unter dem Wert von 2010 lag. RWE kam mit einem Rückgang um 7,5 Prozent auf 1,6 Milliarden etwas glimpflicher davon. Auch Verbundnetz Gas aus Leipzig hat mit dem hohen Margendruck zu kämpfen: Deutschlands drittgrößter Gasimporteur musste am Mittwoch in seiner Jahresbilanz 2010 einen Gewinneinbruch um fast zwei Drittel auf 59 Millionen Euro vermelden.

Was den Gasriesen und den von ihnen belieferten Gasversorgern Probleme macht, ist für Verbraucher vor allem eine Chance. Denn Gasanbieter, die am günstigen Spotmarkt einkaufen, können dadurch deutlich billigere Preise anbieten als die Konkurrenz, die ihre Tarife teilweise erhöhen muss. Durch einen Preisvergleich mit Internet-Rechnern und den Wechsel zu einem billigeren Anbieter lassen sich oft mehrere hundert Euro jährlich einsparen.