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Gaspipeline-Wettlauf zwischen Nabucco und South Stream

Der Wettlauf zwischen den beiden Pipeline-Projekten Nabucco und South Stream dauert an. Gazprom kündigte zuletzt einen früheren Baubeginn an und verdoppelte die Gasimporte aus Aserbaidschan. Die an Nabucco beteiligten Länder Österreich, Bulgarien, Ungarn und Rumänien wollen ihr Vorhaben mit Expertenrunden beschleunigen.

Nabucco ist in den zurückliegenden Monaten ins Hintertreffen geraten. Gazprom konnte im vergangenen Dezember eine Vereinbarung mit der Türkei erzielen und verfügt nun über eine Baugenehmigung für das eigene Projekt South Stream durch die türkischen Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer. Der russische Staatskonzern will nun den Baubeginn auf Ende 2012 vorverlegen und könnte damit wichtigen Boden gegenüber Nabucco gut machen. Experten gehen davon aus, dass sich nur eine der beiden Pipelines vom kaspischen Meer nach Europa wirtschaftlich betreiben lässt. Die Russen bauen auch ihre Beziehungen zu den Staaten der Region aus, in der riesige unerschlossene Erdgasvorkommen vorhanden sind.

Erst gestern unterzeichneten Gazprom-Chef Alexej Miller und sein aserbaidschanischer Kollege Rovnag Abdullayev von der staatlichen Ölgesellschaft des Landes eine Vereinbarung, mit der sich der Gaseinkauf der Russen in Aserbaidschan verdoppelt – von 1,5 auf drei Milliarden Kubikmeter jährlich. Das Nabucco-Konsortium kann dagegen nur Absichtserklärungen vorweisen und wartet immer noch auf eine verbindliche Lieferzusage, von der beispielsweise der deutsche RWE-Konzern sein weiteres Engagement abhängig macht. Auf einer Konferenz in Wien vereinbarten die Energie- und Wirtschaftsminister mehrerer beteiligter Länder laut wirtschaftsblatt.at nun, Expertenrunden einzusetzen. Ziel sei es, die Kosten zu senken und die Umsetzung zu beschleunigen.

Hinter Nabucco stehen die österreichische OMV, Transgaz aus Rumänien, die Bulgarian Energy Holding, die türkische Botas, MOL aus Ungarn und RWE aus Deutschland. Die EU fördert das Projekt, um unabhängiger vom russischen Staatskonzern Gazprom zu werden. Das Land deckt derzeit rund ein Viertel des europäischen Gasbedarfs. Zuletzt war Gazprom wegen seiner langfristigen Lieferverträge mit europäischen Versorgern in die Schlagzeilen geraten, in denen sich die Gaspreise an den Ölpreisen orientieren. Dadurch müssen die Abnehmer trotz günstiger Weltmarktpreise viel für das russische Gas bezahlen. Im Januar senkte Gazprom zwar die Preise für fünf europäische Energiekonzerne, E.ON und RWE gingen dabei jedoch leer aus.

Gaspipeline South Stream: Gazprom will bereits 2012 mit Bau beginnen

Russland will seine Position auf den europäischen Gasmärkten weiter ausbauen. Der staatliche Gasexporteur Gazprom soll auf Wunsch von Ministerpräsident Wladimir Putin bereits Ende 2012 statt erst 2013 mit dem Bau der Gaspipeline South Stream beginnen. Die Ankündigung ist ein Rückschlag für das europäische Konkurrenz-Projekt Nabucco.

Die Türkei hatte Gazprom Ende Dezember grünes Licht für den Bau der Pipeline durch ihre Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer gegeben und dafür Zusagen für langfristige Gaslieferungen erhalten. Putin wies Gazprom-Chef Alexej Miller nun bei einem Treffen an, rasch die Voraussetzungen für den Baubeginn zu schaffen. 2015 soll ein erster Leitungsstrang von South Stream fertiggestellt sein. Die Leitung soll Gas aus dem Süden Russlands durchs Schwarze Meer und Bulgarien nach Mitteleuropa transportieren. An South Stream sind auch die BASF-Tochter Wintershall sowie der französische Energiekonzern EdF und das italienische Unternehmen Eni beteiligt.

Ursprünglich sollte die South Stream-Pipeline im Nordosten Österreichs enden. Medienberichten zufolge will Gazprom die Röhre nun aber nach Norditalien führen, weil Österreich die Konkurrenz-Pipeline Nabucco unterstützt. Mit diesem Projekt will die EU Gasvorkommen am Kaspischen Meer erschließen und so die Abhängigkeit von russischem Erdgas verringern. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass nur eine der beiden Pipelines wirtschaftlich betrieben werden kann. Durch den vorgezogenen Baubeginn sichert sich Russland nun einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Nabucco.

Im vergangenen November hatte Russland den ersten Strang der Nord Stream-Pipeline durch die Ostsee nach Deutschland in Betrieb genommen. Ein zweiter Leitungsstrang soll im laufenden Jahr hinzukommen. Gazprom deckt rund ein Viertel des europäischen Gasbedarfs, in Deutschland ist es sogar rund ein Drittel. Die Marktmacht des Konzerns ist Kritikern ein Dorn im Auge. Gazprom hält in seinen langfristigen Lieferverträgen mit europäischen Gasversorgern an der Ölpreisbindung fest. Dadurch erzielt das Unternehmen hohe Preise, obwohl Gas am Weltmarkt derzeit relativ günstig ist. Hunderte Gasversorger in Deutschland mussten deshalb in den vergangenen Monaten die Tarife anheben. Verbraucher sollten daher Gaspreise vergleichen und zu einem Anbieter von günstigerem Gas wechseln.