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Gaspreise und Strompreise: Erhöhung im Dezember und Januar

Energie wird für Millionen Verbraucher zum Jahreswechsel teurer: Insgesamt 164 Energieanbieter planen eine Erhöhung ihrer Grundversorgungstarife im Dezember und Januar. 97 Stromtarife und 67 Gastarife sind von der Erhöhung betroffen. Die Hauptgründe: Beim Gas die Ölpreisbindung, beim Strom die höheren Netzentgelte.

Im Durchschnitt erhöhen die 97 Stromanbieter ihre Allgemeinen Tarife um 45,72 Euro jährlich, das entspricht einem Plus von 3,71 Prozent. Beim Gas liegt die Steigerung sogar bei 110,22 Euro oder 8,25 Prozent. Am kräftigsten langen die Verbandsgemeindewerke Hochspeyer beim Strom mit einer Preiserhöhung um 178,50 Euro bzw. 14,93 Prozent hin. Die Gaspreise steigen bei den Stadtwerken Traunstein am stärksten. Deren Kunden müssen künftig 235,14 Euro mehr bezahlen – das entspricht einer Erhöhung um 19,41 Prozent. Sämtliche Preise wurden für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt berechnet, der 5.000 Kilowattstunden Strom und 20.000 Kilowattstunden Gas verbraucht.

Beim Gas machen sich vor allem höhere Einkaufskosten der Versorger bemerkbar. In ihren Verträgen mit Gaslieferanten wie Gazprom ist häufig noch eine Ölpreisbindung enthalten. Dadurch schlagen seit dem Sommer die zu Jahresbeginn 2011 stark gestiegen Ölpreise auf die Gaspreise durch. Hunderte Gasanbieter hatten bereits in den vergangenen Monaten die Tarife angehoben. Beim Strom sind es vor allem die höheren Netzentgelte, die ab Januar 2012 in vielen Netzgebieten fällig werden, die den Strompreis nach oben treiben. Die EEG-Umlage steigt dagegen zum Jahreswechsel nur marginal, und auch die Preise an der Leipziger Strombörse entwickelten sich zuletzt äußerst moderat.

Die höheren Netzentgelte gehen zu einem großen Teil auf politische Entscheidungen zurück. So erlaubt eine Regelungslücke, die nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs entstanden war und nicht rechtzeitig geschlossen wurde, den Netzbetreibern deutliche Preiserhöhungen. Zudem wurden energieintensive Unternehmen weitgehend von den Netzentgelten befreit, was die Belastung der verbliebenen kleineren Verbraucher steigen lässt. Verbrauchern bleibt als Ausweg aus der Kostenfalle nur ein kostenloser Tarifvergleich und der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. Dadurch lassen sich bis zu 500 Euro jährlich beim Strom und ähnliche Summen beim Gas sparen. Oft können Haushalte ihre Energierechnung auf diese Weise sogar deutlich senken.

Gesetzeslücke: Netzentgelte machen Gas und Strom 2012 teurer

Eine Gesetzeslücke dürfte Gas und Strom für viele Verbraucher spürbar verteuern. Weil die Regierung nicht auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem vergangenen Juni reagiert hat, das die Regulierung der Netzentgelte teilweise für gesetzeswidrig erklärte, können die Netzbetreiber ihre Gebühren kräftig anheben. Zahlreiche Unternehmen wollen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Weil die Strom- und Gasnetze Monopole darstellen – es gibt an jedem Ort beispielsweise nur ein Netz eines Netzbetreibers und keine Konkurrenz – werden die Netzentgelte von der Bundesnetzagentur überwacht. In einem als Anreizregulierung bezeichneten Verfahren wurde dabei die Erlösobergrenze für jeden Netzbetreiber jährlich um 1,25 Prozent gesenkt, um die Unternehmen zu mehr Effizienz zu zwingen. Unter anderem diese Praxis wurde im Juni 2011 vom Bundesgerichtshof beanstandet und gekippt. Die Bundesnetzagentur wies laut Frankfurter Rundschau die Bundesregierung auf die entstandene Lücke hin. Doch es wurde keine neue Regelung geschaffen.

Dadurch drohen den Energiekunden nun Mehrausgaben von insgesamt rund zwei Milliarden Euro. Verbraucherschützer sind empört: Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband sprach Medienberichten zufolge von einem unglaublichen Vorgang. Wirtschaftsminister Philipp Rösler habe durch seine Untätigkeit Bürgern und Gewerbetreibenden drastische und unnötige Preissteigerungen beschert. Verbraucher können höheren Netzentgelten nicht durch einen Gasanbieterwechsel oder Stromanbieterwechsel entkommen – diese gelten unabhängig vom Energieanbieter und hängen vom Wohnort ab. Durch einen günstigeren Versorger können lediglich die Folgen der höheren Netzentgelte aufgefangen werden.

Die genaue Höhe der Netzentgelte 2012 steht noch nicht fest. Die Netzbetreiber mussten aber bis zum 15. Oktober eine Schätzung vorlegen. Demnach wollen auch mehrere große Unternehmen deutlich mehr verlangen. In Berlin will die Vattenfall-Netztochter beispielsweise künftig 5,89 statt 5,43 Cent pro Kilowattstunde kassieren. Die Stromrechnung eines Vier-Personen-Haushalts mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden (kWh) würde dadurch um rund 23 Euro steigen. Im Netzgebiet von E.ON Bayern würde die Erhöhung von 6,02 auf 6,84 Cent pro kWh mit 41 Euro jährlich zu Buche schlagen.