Gaskunden können sich künftig noch schneller einen günstigeren Tarif sichern: Ab April gilt eine zeitliche Grenze für die Wechseldauer. Die Umstellung der Versorgung darf demnach maximal drei Wochen in Anspruch nehmen.
Bisher war die Dauer des Anbieterwechsels vom Gesetzgeber nicht geregelt. Das wurde mit der Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes im vergangenen Sommer geändert. Nach einer Übergangszeit treten die neuen Bestimmungen jetzt in Kraft. Verbraucherschützer bewerten die Neuregelung grundsätzlich als positiv – allerdings mit einer Einschränkung.
Denn die Drei-Wochen-Frist beginnt nicht mit dem Absenden des Wechselantrags durch den Kunden, sondern später: Die Uhr beginnt erst zu laufen, wenn der neue Versorger den Antrag bearbeitet hat und den Wechsel beim Netzbetreiber anmeldet. Aus Kundensicht dauert die Umstellung deshalb auch weiter länger als drei Wochen – wird aber in den meisten Fällen dennoch deutlich schneller als die sechs bis zwölf Wochen ablaufen, die Verbraucher bisher einkalkulieren mussten, bis das Gas vom günstigeren Gasanbieter kommt.
Zudem bremsen bislang noch die Kündigungsfristen in nahezu allen Gasverträgen einen raschen Anbieterwechsel. Sie können meist nur mit einer Frist von mehreren Wochen zum Monatsende gekündigt werden. Das soll sich jedoch bald ändern: Die Bundesregierung will die Kündigungsfrist für Strom- und Gaskunden in der Grundversorgung auf zwei Wochen verkürzen, zudem sollen die Verträge auch während eines laufenden Monats beendet werden können.
Hunderttausende Verbraucher können künftig leichter ihren Strom- oder Gasanbieter wechseln: Die Bundesregierung hat beschlossen, die Kündigungsfrist für Kunden in der Grundversorgung auf zwei Wochen zu kürzen. Bisher betrug sie vier Wochen. Der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen. Sie soll im Frühjahr in Kraft treten.
Neben der kürzeren Zeitspanne sollen Verbraucher auch davon profitieren, dass sie ihren Vertrag auch während eines laufenden Monats beenden können. Bisher war eine Kündigung nur zum Monatsende möglich. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will mit der Neuregelung für mehr Wettbewerb und niedrige Energiepreise sorgen, weil Kunden schneller in zu einem günstigeren Anbieter wechseln können. “Ich kann die Verbraucher nur dazu ermuntern, von ihren neuen Rechten bei der Wahl des günstigsten Anbieters Gebrauch zu machen”, teilte der Minister mit.
Die Neufassung der Grundversorgungsverordnung ist nur einer von mehreren Schritten der Regierung, um den Anbieterwechsel zu beschleunigen. Bereits im vergangenen Jahr wurde eine Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes beschlossen, die ab April in Kraft tritt. Demnach darf die Umstellung vom alten auf den neuen Versorger dann nur noch drei Wochen dauern. Die Frist beginnt allerdings nicht, wenn der Verbraucher den Wechselantrag stellt, sondern erst, wenn der neue Anbieter den Wechsel beim Netzbetreiber anmeldet.
Verbraucherschützer kritisieren die neuen Regelungen deshalb als nicht weitgehend genug und als intransparent. Der Kunde könne nicht nachvollziehen, wann der neue Versorger mit dem Netzbetreiber kommuniziere. Die Beschleunigung des Wechsels, der bisher sechs bis zwölf Wochen dauert, sei aber ein Schritt in die richtige Richtung. Ähnlich bewertet auch der Bund der neuen Energieanbieter die Beschlüsse. Kritik kommt hingegen aus den Reihen der Grundversorger, die steigende Kosten befürchten, weil die schnelleren Wechselprozesses einen höheren IT-Aufwand nach sich zögen. Grundversorgungstarife gehören häufig zu den besonders teuren Angeboten für Privatkunden. Sie kommen beim Strom auf einen Marktanteil von rund 44 Prozent, beim Gas auf rund 25 Prozent. Verbraucher, die keinen Anbieter- oder Tarifwechsel vornehmen, werden automatisch in der Grundversorgung beliefert.
Angesichts der anstehenden Gaspreiserhöhungen bei zahlreichen Versorgern im August und September lohnt sich ein Gasanbieter Wechsel für viele Haushalte. Wie eine aktuelle Umfrage belegt, klappt das in der Mehrheit der Fälle problemlos: Knapp drei Viertel aller Gaskunden sind mit ihrem Gasanbieter Wechsel zufrieden, wie eine Auswertung von insgesamt 118.000 Kundenbewertungen aus den vergangenen dreieinhalb Jahren durch ein Vergleichsportal ergab.
74 Prozent der Gaskunden haben demnach einen positiven Gesamteindruck von ihrem neuen Versorger. Auch mit der Freundlichkeit der Mitarbeiter waren mit 62 Prozent fast zwei Drittel der Gaskunden zufrieden. Unzufrieden zeigten sich dagegen nur vier Prozent – allerdings machte fast ein Drittel hier keine Angaben, weil es wegen der Nutzung von Online-Tarifen keinen direkten Kontakt zu Mitarbeitern gab. Häufigster Kritikpunkt war die Geschwindigkeit des Wechsels, die von 13 Prozent der Gasverbraucher bemängelt wurde. Dennoch zeigten sich mit 69 Prozent immer noch mehr als zwei Drittel zufrieden.
Zudem ist Besserung in Sicht: Das neue Energiewirtschaftsgesetz schreibt Netzbetreibern und Gasanbietern eine deutlich schnellere Bearbeitung des Gasanbieterwechsels vor. Er soll in Zukunft nur noch drei Wochen dauern. Entsprechende Richtlinien zur Umsetzung des Gesetzes werden derzeit von der Bundesnetzagentur ausgearbeitet. Eine gute Nachricht für Verbraucher – schließlich bedeutet jeder Tag weniger im alten, teuren Gastarif bares Geld. Im Durchschnitt der 50 größten deutschen Städte spart ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh rund 510 Euro jährlich durch einen Gasanbieterwechsel.
Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Strom: 70 Prozent der Kunden zeigten sich zufrieden mit ihrem neuen Stromanbieter, 56 Prozent mit der Freundlichkeit der Mitarbeiter. Häufigster Kritikpunkt auch beim Stromanbieter Wechsel: die Geschwindigkeit der Umstellung. Durchschnittliche Ersparnis bei einem Stromverbrauch von 5.000 kWh: 311 Euro pro Jahr. Die am besten bewerteten Energieanbieter waren Lichtblick, NaturEnergiePlus und goldgas. Die schlechtesten Bewertungen erhielten Clevergy, SAUBER ENERGIE und Stromio.