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Gesetzeslücke: Netzentgelte machen Gas und Strom 2012 teurer

Eine Gesetzeslücke dürfte Gas und Strom für viele Verbraucher spürbar verteuern. Weil die Regierung nicht auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem vergangenen Juni reagiert hat, das die Regulierung der Netzentgelte teilweise für gesetzeswidrig erklärte, können die Netzbetreiber ihre Gebühren kräftig anheben. Zahlreiche Unternehmen wollen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Weil die Strom- und Gasnetze Monopole darstellen – es gibt an jedem Ort beispielsweise nur ein Netz eines Netzbetreibers und keine Konkurrenz – werden die Netzentgelte von der Bundesnetzagentur überwacht. In einem als Anreizregulierung bezeichneten Verfahren wurde dabei die Erlösobergrenze für jeden Netzbetreiber jährlich um 1,25 Prozent gesenkt, um die Unternehmen zu mehr Effizienz zu zwingen. Unter anderem diese Praxis wurde im Juni 2011 vom Bundesgerichtshof beanstandet und gekippt. Die Bundesnetzagentur wies laut Frankfurter Rundschau die Bundesregierung auf die entstandene Lücke hin. Doch es wurde keine neue Regelung geschaffen.

Dadurch drohen den Energiekunden nun Mehrausgaben von insgesamt rund zwei Milliarden Euro. Verbraucherschützer sind empört: Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband sprach Medienberichten zufolge von einem unglaublichen Vorgang. Wirtschaftsminister Philipp Rösler habe durch seine Untätigkeit Bürgern und Gewerbetreibenden drastische und unnötige Preissteigerungen beschert. Verbraucher können höheren Netzentgelten nicht durch einen Gasanbieterwechsel oder Stromanbieterwechsel entkommen – diese gelten unabhängig vom Energieanbieter und hängen vom Wohnort ab. Durch einen günstigeren Versorger können lediglich die Folgen der höheren Netzentgelte aufgefangen werden.

Die genaue Höhe der Netzentgelte 2012 steht noch nicht fest. Die Netzbetreiber mussten aber bis zum 15. Oktober eine Schätzung vorlegen. Demnach wollen auch mehrere große Unternehmen deutlich mehr verlangen. In Berlin will die Vattenfall-Netztochter beispielsweise künftig 5,89 statt 5,43 Cent pro Kilowattstunde kassieren. Die Stromrechnung eines Vier-Personen-Haushalts mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden (kWh) würde dadurch um rund 23 Euro steigen. Im Netzgebiet von E.ON Bayern würde die Erhöhung von 6,02 auf 6,84 Cent pro kWh mit 41 Euro jährlich zu Buche schlagen.

Teldafax: Gasanbieter erhält Kündigung zahlreicher Netzbetreiber

Der angeschlagene Gasanbieter Teldafax bekommt von immer mehr Netzbetreibern die Kündigung. Grund sind unbezahlte Rechnungen für die Netznutzung. Teldafax kann seine Kunden in den betroffenen Gebieten damit nicht mehr beliefern. Sie erhalten ihr Gas nun vom teureren Grundversorger. Verbraucherschützer raten deshalb, bald einen neuen Gastarif zu wählen.

Bochum, Essen, Cottbus, Stuttgart, Berlin – in vielen Städten darf der Troisdorfer Gasanbieter Teldafax die Gasleitungen nicht mehr benutzen. Immer mehr Netzbetreiber sprechen dem Unternehmen die Kündigung aus, weil Rechnungen für die Netznutzung nicht bezahlt wurden. Damit kann Teldafax seine Kunden in den jeweiligen Gebieten nicht mehr mit Gas beliefern. Die Betroffenen werden vom Netzbetreiber und dem Grundversorger per Post über die Umstellung der Versorgung informiert.

Die Gaslieferungen werden zwar nicht unterbrochen. Der örtliche Grundversorger muss ohne Verzögerung einspringen. Doch er verlangt meist wesentlich höhere Preise. Zudem müssen die betroffenen Kunden versuchen, geleistete Vorauszahlungen von Teldafax zurück zu bekommen. Hinweise und Musterschreiben halten unter anderem die Verbraucherzentralen auf ihren Internetseiten bereit. Sie empfehlen auch, vorsichtshalber den Gasvertrag mit Teldafax noch einmal selbst zu kündigen, auch wenn das Unternehmen nicht mehr liefern kann. Am letzten Liefertag von Teldafax sollte zudem der Stand des Gaszählers dokumentiert werden.

Verbraucherschützer raten, bald einen anderen Gastarif zu wählen. Auch der Grundversorger hat meist günstigere Angebote parat. Ein Gasvergleich im Internet klärt, zu welchen Preise alternative Anbieter Gas liefern können. Teldafax ist nach monatelangen Gerüchten um eine drohende Insolvenz inzwischen in der Hand der Investmentgesellschaften Prime Mark Financial Group und Sigma Citation Capital Strategies Limited. Die Leitung des Unternehmens hat der Sanierungsexperte Hans-Gerd Höptner übernommen, der unter anderem den Bekleidungshersteller Schiesser erfolgreich durch das Insolvenzverfahren führte.