Bei der Erzeugung von Ökostrom werden immer wieder neue Rekorde gemeldet. Bei den Heizungen in Privathaushalten tut sich dagegen nur wenig, beklagt der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE). Von 2010 auf 2011 ging der Anteil der erneuerbaren Energien demnach sogar leicht von 10,2 auf 10,1 Prozent zurück.
Dabei ließe sich gerade bei der Raumheizung mit geringem finanziellem Aufwand viel für das Klima erreichen. Denn die überwiegende Zahl der Heizungen ist nicht auf dem neuesten technischen Stand und der größte Teil des Gebäudebestandes entspricht nicht den aktuellen Dämmstandards. Gleichzeitig entfallen fast 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland auf Heizung und Warmwasserbereitung. Die Kosten, um eine Tonne CO2 einzusparen, fallen daher wesentlich geringer als im Stromsektor aus, wenn eine Wärmedämmung verbessert oder ein neuer Heizkessel gekauft wird.
Doch während die Erzeugung von Ökostrom durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz kräftig gefördert wird, gibt es für die energetische Modernisierung von Gebäuden nur vergleichsweise wenig Fördertöpfe. Sie sind darüber hinaus kaum bekannt. Ein Gesetz, mit dem die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungskosten verbessert werden soll, hängt seit dem vergangenen Sommer im Vermittlungsausschuss fest. Bund und Länder können sich nicht über die Verteilung der Kosten einigen.
Durch den kräftig sinkenden Heizenergieverbrauch nach einer Sanierung können sich derartige Maßnahmen aber dennoch lohnen. Wie es im individuellen Einzelfall aussieht, können Interessenten mit den Ratgebern zum Energie sparen berechnen. Dabei können sie auch prüfen, ob Fördermittel abgerufen werden können – und zu welchen Konditionen. Eine zweite Möglichkeit ist der Umstieg auf einen Biogas- oder Klimatarif: Dadurch sinkt der Ausstoß von Treibhausgasen. Gleichzeitig sind in vielen Fällen auch noch finanzielle Einsparungen möglich, denn das grüne Gas ist oft billiger als das herkömmliche Gas des Grundversorgers. Verbraucher können die Ersparnis kostenlos und unverbindlich durch einen Gaspreisvergleich berechnen.
So genannte Klimatarife werden bei Gasverbrauchern immer beliebter: Die Zahl der Kunden, die über einen solchen Vertrag beliefert wurden, stieg laut energiemarkt-medien.de im vergangenen Jahr um 286 Prozent. Erdgas mit Biomethan-Beimischung kam dagegen nur auf einen geringen Zuwachs von zwei Prozent.
Für die Studie wurden 38 Gasanbieter befragt, die Ökogas im Angebot haben. 24 von ihnen lieferten Erdgas, dem ein Anteil an Biomethan zugesetzt wurde, elf setzten auf einen Klimatarif und drei boten beide Varianten an. Anbieter von Klimatarifen verpflichten sich, die CO2-Emissionen ihrer Kunden durch Investitionen in Klima- und Umweltschutzprojekte auszugleichen. Bei Biogas-Tarifen wird dagegen ein bestimmter Anteil an Biomethan aus der Vergärung von Pflanzen, aber auch aus Deponie- oder Klärgas zugesetzt. Größter Öko-Anbieter waren die Städtischen Werke Kassel, die alle mehr als 50.000 Privatkunden über einen Klimatarif mit Gas versorgen.
2010 hatten insgesamt 96.600 Kunden einen Klimatarif bei den befragten Versorgern abgeschlossen, im Vorjahr waren es noch 25.000. Die Zahl der Biogas-Verträge stieg auf 102.000. Das Interesse der Kunden an Ökogas ist im Vergleich zu Ökostrom allerdings noch vergleichsweise gering. Laut energiemarkt-medien.de bezogen 2010 bereits rund drei Millionen Kunden Ökostrom. Nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima erlebte der grüne Strom erneut einen regelrechten Boom. Ökostrom ist ein deutlich emotionaleres und stärker politisiertes Produkt. In diesem Sinne ist die Vermarktung von Ökostrom einfacher als die von Ökogas”, erklärt Ralph Kampwirth, Pressesprecher des Öko-Anbieters Lichtblick.
Hinzu kommt, dass viele Kunden vor allem beim Biogas Bedenken haben, da die eingesetzte Biomasse häufig aus Intensivlandwirtschaft stammt. Deshalb ist auch die Klimabilanz von Biogas umstritten. Eine mögliche Alternative für die Zukunft könnte Windgas sein. Greenpeace Energy vertreibt seit wenigen Tagen einen entsprechenden Tarif, die Gaslieferung soll im Oktober starten. Mit Strom aus Windenergie will Greenpeace Wasserstoff herstellen, der ins Erdgasnetz eingespeist und zu Methan veredelt werden kann. Dadurch werde nicht nur klimaneutrales Heizen möglich, sondern auch eine Speicherung von Ökostrom im Gasnetz. Zum Start beziehen die Kunden allerdings noch normales Erdgas, fördern aber den Bau der nötigen Anlagen. Im Gasrechner kann dieser Tarif abgeschlossen werden.